Opfergang

Auf dem Friedhof eines der Dörfer südlich der Kreisstadt Wartbrücken ist das Grab des Heinrich Siewert zu finden, der, wie die Inschrift auf dem einfachen Holzkreuz besagt, am 7. September 1939 ermordet wurde. Unter dieser Inschrift stehen die Worte: "Er ließ das Leben für seine Brüder."

Über den Tod dieses Mannes ist folgendes zu berichten:

Als die deutschen Bauern des Dorfes, von dem hier die Rede ist, eines Nachmittags nach Ausbruch des Krieges vom Nachbarort her Gewehrschüsse und dazwischen Wehrufe und Todesschreie vernahmen und dann von einem Geflüchteten erfuhren, dass die meisten seiner mit ihm aus dem Posenschen verschleppten Gefährten dort von den Polen auf schreckliche Weise umgebracht wurden, beschlossen sie, Haus und Hof zu verlassen und sich mit ihrer Habe in dem dichten Gebüsch der nahen Flussniederung zu verbergen.

Unter den Flüchtlingen, die sich noch am gleichen Tage vor Anbruch der Dunkelheit auf einer einsamen von Erlen und Weiden umsäumten Wiese zusammenfanden, war auch Heinrich Siewert, ein achtundzwanzigjähriger Bauer, mit seinem jungen Weib und seinem kleinen Kinde. In dieser Nacht dachten die wenigsten an Schlaf, zeigte doch der an vielen Stellen auflohende Feuerschein, dass die Polen auf ihrem Rückzug vor dem deutschen Heer zahlreiche Gehöfte und Getreideschober in Brand gesteckt hatten.

Kaum war der Morgen herangekommen, als Siewert und mit ihm einige beherzte Nachbarn sich zu einem Gang in das verlassene Dorf aufmachten. Sie wollten nachsehen, was dort geschehen war und dabei auch ein altes Leibgedingerpaar, von dem erst jetzt bekannt wurde, dass es zurückgeblieben sei, bergen und zu den anderen in Sicherheit bringen. Die geräumten Gehöfte lagen im aufbrechenden Frühlicht still und verlassen da und unbehelligt kamen die Männer zu dem Kätnerhause, in dem die beiden Alten wohnten.

Indes diese, unbeholfen und zittrig, willig alles mit sich geschehen ließen, von den anderen fortgeführt wurden, suchte Siewert, ihrer inständigen Bitte folgend, einige ihrer Habseligkeiten zusammen, um sie gleichfalls fortzuschaffen. Er wollte gerade mit dem fertigen Bündel den Hof verlassen, als er sich plötzlich von einem Trupp polnischer Soldaten entdeckt sah, die vor dem nächsten Hause standen und eifrig nach allen Seiten ausspähten.

Da ein Fluchtversuch auf dem einzigen ihm frei gebliebenen Wege den Feinden lediglich die Richtung zu seinen Gefährten gewiesen hätte, blieb der junge Bauer auf ihren Anruf stehen, legte seine Last nieder und ließ sich ruhig und gefasst von ihnen umringen. Sie fragten, nachdem sie festgestellt hatten, dass er Deutscher sei, nach dem Verbleib der Dorfbewohner und schlugen, als sie seine Antwort erhielten, unter wüsten Schimpfreden auf ihn ein.

Unter den scharfen Kolbenschlägen brach der Gefangene, dem die Hände fest zusammengeschnürt wurden, blutend in die Knie, und nur mit Mühe vermochte er, da ihm fast die Sinne schwanden, die Wort zu erfassen, die ihm der Anführer des Trupps ins Gesicht schrie. In einer Viertelstunde, so rief dieser in größter Wut, müsse er im Besitz aller Gespanne des Dorfes sein sowie des fortgebrachten Viehs, und sollte man es ihm in dieser Zeit nicht bringen, werde er Hof um Hof anzünden und jeden Deutschen, der ihm in die Hände falle, in die Flammen werfen lassen.

Taumelnd und schwer atmend erhob sich Siewert und richtete einen langen Blick auf die Dorfstraße, zu deren beiden Seiten mitten im Grün der Gärten sechsundzwanzig Höfe breit und wuchtig hingebaut standen. Auf die nochmalige Frage der Soldaten, ob er nun bereit sei, sie zu dem Versteck der Geflüchteten zu führen, nickte er nur kurz mit dem Kopf und schritt ihnen auf dem Weg in die Niederung voran. An der Kreuzung hinter dem letzten Hof aber wandte er sich nicht nach Norden zur Flüchtlingswiese, sondern bog nach der entgegengesetzten Seite ab und lief nun so eilig voraus, dass die Polen ihm kaum zu folgen vermochten.

In der Gier, die Dorfleute samt ihrer Habe bald vor sich zu sehen, folgten sie hastig dem Vorangehenden, ohne gewahr zu werden, dass dieser in dem dicht mit Unterholz bewachsenem Erlenwald, in den sie gekommen waren, einige Male die Richtung änderte und sie zuletzt ganz aus der Stromniederung heraus und in einen schier endlosen Wald geführt hatte.

Erst als sie nach einem fast halbstündigen Umherstreifen auf wiederholten Zuruf von dem Deutschen keine Antwort erhielten, schöpften sie Verdacht und drangen, auf einer tief im dichten Tannenwald gelegenen Lichtung angelangt, auf ihn ein, sie unverzüglich auf dem kürzesten Wege in das Dorf zurückzuführen.

Heinrich Siewert wusste nun, dass seine letzte Stunde gekommen sei. An den Stamm einer Tanne gelehnt, blickte er mit festgeschlossenen Lippen an den hassverzerrten Gesichtern seiner Feinde vorbei in das wunderbare klare Blau des herbstlichen Himmels. Er dachte an sein junges Weib und an den kleinen Sohn, den Erben seines Hofes, den sie ihm geboren.

Bereits aus vielen Wunden blutend, vernahm er plötzlich über den Wipfeln der Bäume ein mächtiges Brausen und gewahrte, mit letzter Kraft hinschauend, ein großes deutsches Geschwader, das in freier, stolzer Fahrt ostwärts zog. Den Blick unverwandt auf die im Schein der Sonne hell schimmernden Flugzeuge gerichtet, brach er unter den Bajonetten der Polen zusammen.

Sein schwer verstümmelter Körper wurde erst nach einigen Wochen, nachdem sein Heimatdorf bereits längst von deutschen Truppen besetzt und befreit worden war, gefunden und zur letzten Ruhe bestattet.

Erzählung nach einer wahren Begebenheit von Sigismund Banek

HDJ-Verbot - wer schreibt die Reden?

HDJ-Verbot - wer schreibt die Reden?

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gestern eine Klage gegen das Vereinsverbot der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) abgewiesen hat, reagierte Innenminister de Maizière mit folgenden Worten: "Mit dem endgültigen Verbot hat das Gericht den verfassungsfeindlichen und antidemokratischen Umtrieben dieses Vereins ein Ende gesetzt." Wir erinnern uns: Im letzten Jahr begründete der damalige Innenminister Schäuble das durch ihn erlassene Verbot wie folgt: "Mit dem Verbot setzen wir den widerlichen Umtrieben der HDJ ein Ende."

Die Frage ist nun, ob de Maizière lediglich ein altes Manuskript zum Thema nochmal aus der Schublade gezogen hat, oder ob es in der CDU einen Generalbeauftragten für Stellungnahmen zu Maßnahmen gegen Feinde des Systems gibt. Letzteres wäre ein deutlicher Hinweis darauf, dass Abgeordnete zwar nur ihrem Gewissen verpflichtet sind, dieses Gewissen jedoch von Dritten anlassbezogen ausgestaltet wird.

Freilich sind es immer "edle Ziele", in deren Namen sie ihr Handeln bestimmen. Und immer sind andere verantwortlich. Keine Personen mit Namen und Adressen, sondern Abstrakta: Es gilt die "freiheitlich-demokratische Grundordnung" zu schützen, vor einer Jugendorganisation, deren Aufgabe es nach Satzung war, "die Jugend zu dem Nächsten hilfreichen, der Heimat und dem Vaterland treuen und dem Gedanken der Völkerverständigung aufgeschlossenen Staatsbürgern" heranzuziehen. Nicht aber vor der Verwahrlosung des bestehenden Systems, in dem das Unnormale als normal gilt und die Entartung des öffentlichen Lebens schon lange keine Einzelfälle mehr sind, sondern Symbole des Verfalls.

Und dieses System galt es für de Maizière schon einmal zu schützen, als er als Innenminister in Sachsen geheimdienstliche Hinweise über die Verstrickung von Justizbeamten, Polizisten, Politikern und Wirtschaftsträgern in eine Reihe von schweren Straftaten der organisierten Kriminalität bis hin zu Mord und Kinderzuhälterei erhielt - und schwieg, um die "freiheitlich-demokratische Grundordnung" nicht zu gefährden.

Ist das die "freiheitliche Grundordnung", der wir verpflichtet sind, oder meinen sie eher "ihre eigene freiheitliche Grundordnung", in der die moralische Feigheit vor der Geldherrschaft kapituliert und die das Gegenstück dazu bildet, was unser ist? Ein Gegenstück, das kein Nebeneinander, sondern nur ein "entweder - oder" kennt? Wem dient dann dieser Staat mit all seinen Einrichtungen? Dem Staatsvolk oder der "freiheitlichen Grundordnung" jener Machtclique, deren Köpfe und Namen man zwar demokratisch wählen kann, deren Konzepte und Pläne aber stets identisch bleiben?

Zur Heranziehung einer deutschen Jugend, die "zu dem Nächsten hilfreich, der Heimat und dem Vaterland treu und dem Gedanken der Völkerverständigung aufgeschlossen" ist, einer deutschen Jugend, die ihren Nächsten in ihresgleichen erkennt, aber nicht in Niedergangs-Typen einer "freiheitlichen Grundordnung", deren Teil niemand sein will, der ihren Nutzen einmal durchschaut hat, bedarf es keiner Vereine - es bedarf freier Worte, gesprochen in der Familie, im Sportverein, in Schulen, an Universitäten, in Betrieben!

Lasst beherrschen sie die Stunde / eine flüchtige Sekunde / voll Erbärmlichkeit / schenkt das Schicksal selbst den Flennern / doch es rechnet nur nach Männern / seit urewger Zeit.

Früher war alles besser - Zensurbestrebungen des Staates im Zeitalter des Internets

Früher war alles besser - Zensurbestrebungen des Staates im Zeitalter des Internets

Früher war alles besser - da konnten missliebige Publikationen noch für illegal erklärt, beschlagnahmt und eingestampft werden. Die inkriminierten Informationen gab es dann bestenfalls noch als verwaschene Kopie in dunklen Kellerräumen oder als Raubdruck an verrufenen Büchertischen. Heute führen Gerichtsentscheidungen zwar immer noch zu Schwärzungen in Büchern und die Liste der als jugendgefährdend indizierten Werke wird von Jahr zu Jahr eher länger als kürzer, jedoch nimmt damit das Interesse am verbotenen Inhalt auch gleichzeitig zu.

Mit der Erfindung des Buchdrucks ermöglichte Johannes Gutenberg die Verbreitung von Wissen, doch die Bindung der Informationen an das Papier oder einen anderen physischen Träger garantierte auch ihre Kontrolle. Nicht umsonst hatten die Verantwortlichen der SED-Diktatur ein genaues Auge darauf, wer im Besitz eines Kopiergerätes war. Sogar Schriftproben von mechanischen Schreibmaschinen wurden archiviert, um im Zweifelsfall den Urheber einer Abschrift oder eines Flugblattes schnell finden zu können.

In den letzten Jahren aber veränderten sich die Wege, auf denen Informationen verbreitet werden und so eine Öffentlichkeit hergestellt werden kann. Die Monopolmedien klagen beinahe täglich, dass ihnen ihre Kunden durch die Entwicklung des Internets verloren gingen und auch Bundeskanzlerin Merkel trauert in einem Interview mit der Zeitschrift "Bunte" einer Zeit nach, in der es nur zwei Fernsehsender gab:

"Heute wird es durch die Vielzahl der Informationskanäle, und besonders durch das Internet, immer schwieriger, ein Gesamtmeinungsbild zu erkennen. [...] Durch diesen sehr großen technischen Wandel ist es schwerer geworden, alle Menschen, alle Generationen zu erreichen, denn diese nutzen die einzelnen Medien mittlerweile sehr unterschiedlich. [...] Viele junge Menschen informieren sich ausschließlich über das Internet, und das oft sehr punktuell. Sie erreicht man über Zeitungen oder auch die klassischen Nachrichtensendungen in ARD und ZDF immer weniger. Mit dieser Veränderung muss die Demokratie in Deutschland und in den anderen westlichen Ländern umgehen lernen."

Mit der Befreiung der Information von der physischen Bindung an das Papier durch ihre Digitalisierung haben die traditionellen Kontrollmechanismen ein Ende gefunden. Das Meinungsmonopol der Herrschenden schwindet und jeder, der Zugang zu einem Rechner hat, kann sich heute nicht nur außerhalb der vorgeschriebenen ideologischen Grenzen informieren, sondern besitzt auch eine Stimme, die gehört werden kann. Das ist der Grund, warum wir so viel Energie für die Arbeit im Netz aufbringen und auch dafür, warum die Demokraten das Netz durch die Anwendung des Zugangserschwerungsgesetzes unter ihre Kontrolle bringen wollen.

Dem Gesetz vorausgegangen war eine beinahe ein Jahr anhaltende Debatte, die einen vorher nie da gewesenen Widerstand im deutschsprachigen Netz und letztendlich auch auf der Straße hervorgerufen hatte. Als Max Winde damals über Twitter verkündete, "Ihr werdet Euch noch wünschen, wir wären politikverdrossen", brachte er zum Ausdruck, was passiert ist und womit viele der Demokraten nicht rechnen wollten.

Im Zuge der Neuwahlen setzte sich allmählich die Auffassung durch, dass eine deutlich größere Gruppe als die der bildzeitungslesenden Stammtische es sich nicht gefallen lassen würde, wenn der Staat unter dem Vorwand der Bekämpfung von Kinderpornografie eine Zensurinfrastruktur installiert. So musste das Gesetz nach Verabschiedung vorerst ausgesetzt und die Zensurgegner beschwichtigt werden. Das Bundeskriminalamt sollte "zunächst versuchen", kinderpornografische Seiten zu löschen, statt zu sperren, um nach Ablauf eines Jahres die Erfahrungen auszuwerten und den Erfolg zu prüfen.

Dass das Entfernen der Inhalte nicht möglich sei oder zu lange dauere, war daher von Anfang an das erwartete Ergebnis der Erfahrungen des BKA, an deren Ende die Einführung der Netzsperren stehen soll. Nur so ist auch zu erklären, dass von den ca. 150 Hinweisen pro Monat, von denen rund 10 Prozent auf tatsächlich relevantes Material verweisen, nicht ein einziger von den BKA-Beamten selbst ermittelt wurde, obwohl bundesweit immerhin über 40 Beamte regelmäßig mit der aktiven Suche nach Kinderpornografie beschäftigt sind.

Bislang hat das Bundeskriminalamt ohne jede statistische Grundlage, ohne jede Erfolgskontrolle und ohne international koordinierte Löschbemühungen behauptet, dass eine Zensurinstanz für das Internet unabdingbar sei. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Staat "die Menschenwürde schützt", indem er noch mehr Kritikern den Mund zuhält oder eben durch Stoppschilder dafür sorgt, dass sie im Internet nicht mehr gelesen, gesehen und gehört werden können. Aber wie Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes, heute in einem Interview erklärte:

"Etwas vom Gesetzgeber Verbotenes dem öffentlichen Zugriff zu entziehen, kann keine Zensur sein."

Wer wollte da noch zweifeln?

Alle Jahre wieder

Alle Jahre wieder

Es ist noch gar nicht so lange her, als nicht ein Thilo Sarrazin die Gemüter der Republik erregte, sondern der ehemalige Hamburger Richter Roland Schill. Dieser gründete im Jahr 2000 die "Partei Rechtsstaatlicher Offensive", mit der er im September 2001 bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg auf Anhieb 19,4 Prozent der Wählerstimmen erhielt und verdeutlichte, dass im demokratischen Politgeschäft die Unfähigkeit der anderen wichtiger ist als die eigenen Möglichkeiten.

Schill hatte zunächst bewiesen, wie wenig dazu gehört, sich gegen die muffige Altparteienkonkurrenz durchzusetzen und von Volkes Stimme erhört zu werden - ein gewisses Maß an Persönlichkeit und die Fähigkeit, sich zumindest zeitweise nach außen darzustellen, reichten völlig aus, um sozusagen ohne Anlauf fast ein Fünftel der Wählerstimmen zu erreichen. Aber mehr war eben nicht dahinter.

Das "Programm" bestand in der Bekämpfung der Kriminalität, die Partei in der Mehrzahl aus anderswo gescheiterten Existenzen, die Wähler aus unzufriedenen und verunsicherten Bundesbürgern. Und so saß man dann gleich in der "Regierung" und es war von vornherein klar, dass die damaligen "Koalitionspartner" CDU und FDP alles tun würden, um die Konkurrenz möglichst schnell wieder loszuwerden.

Das soll nun nicht heißen, dass von außen Sand ins Getriebe der "PRO" hätte geschüttet werden müssen - im Gegenteil: Im Wesen derartiger Konstruktionen liegt es ja schon begründet, dass sie an sich selbst scheitern müssen. Anschaulich bewies Schill einmal mehr, wie recht der Dichter Konrad Windisch hatte, als er dies einmal sinngemäß so formulierte:

Wer bei diesem Idiotentanz mitspringt, kann keine Änderung erzielen.
Er wird auch keine Änderung erzielen, wenn er sich abwendet oder wegsieht.
Aber er muss dabei stehen, aufmerksam, interessiert, beobachtend.
Und wenn einer von den Tanzenden ausbricht, Fragen hat, antworten haben will, dann müssen wir diese Antworten aus der lebendigen Wirklichkeit geben.

Die "PRO" konnte keine Antworten geben und stellte in Wirklichkeit nur eine schlechte Kopie des Systems dar - ebenso, wie Sarrazin keine Antworten aus der lebendigen Wirklichkeit geben kann. Allerdings muss auch gesagt werden, dass weder Schill noch Sarrazin von sich behauptet haben, etwa für Volk und Heimat einzutreten - genau das aber haben viele sehen wollen.

Und so würde es auch diesmal wieder kommen, wenn von einer neuen "demokratischen Ultrarechten" die Rede ist: Die seit Jahrzehnten unfähigen, aber eingesessenen Demokraten der Altparteien behaupten sich durch ihre Trägheit und die Unfähigkeit der anderen fest im Parlamentariersessel und können daher munter und ungebremst darin fortfahren, Deutschland weiter zu zerlegen.

Schill ist übrigens am Ende aus seiner Partei ausgeschlossen worden und - nachdem er mit seinen Fraktionskollegen ohne Erfolg in die "Pro DM" eintrat - aus Deutschland ausgewandert.

TV-Tipp: Heute 22.45 Uhr ARD - Sarrazin im Gespräch

TV-Tipp: Heute 22.45 Uhr ARD - Sarrazin im Gespräch

Eine neue Etappe auf dem Weg zur "demokratischen Ultrarechten" wird vermutlich heute Abend in der ARD zurückgelegt. Um 22.45 Uhr diskutiert Bundesbank-Vorstand, SPD-Mitglied und spätestens seit Erscheinen seines Buches "Deutschland schafft sich ab" als Rechtsextremist Gebrandmarkter Thilo Sarrazin u.a. mit der niedersächsischen Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) und Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen), was auf einen unterhaltsamen Tiefflug im inhaltlichen und verbalen Niveau hoffen lässt.

Warum empfehlen wir Euch eine solche Schmierenkomödie zu schlechter Sendezeit? Unlängst kommentierten einige Leser einen Artikel zum Thema Sarrazin mit dem Grundtenor, es sei jedenfalls gut, dass einer der Etablierten endlich "die Wahrheit" sage und damit eine weitaus größere Zahl Deutscher für das Problem des Volkstods sensibilisiere, als dies uns als kleiner Minderheit möglich wäre.

Doch kann es wirklich in unserem Interesse sein, dass ein Bundesbank-Vorstand und SPD-Mitglied augenscheinlich "unsere" Positionen verlautbaren lässt?

Zunächst sind es bei näherer Betrachtung gar nicht unsere Positionen. So ist Sarrazin ausweislich seines Buches der Auffassung, sämtliche Probleme mit zugewanderten Fremden könnten gelöst werden, indem sie sich allesamt so vorbildlich integrieren, wie dies Inder oder Asiaten bereits jetzt tun. Dies ist den Multikulti-Verfechtern zwar noch immer ein Dorn im Auge - aber aus ihrer Sicht allemal besser als eine Argumentation auf biologischer Grundlage, die nur eine Rückführung aller Fremden zur Konsequenz haben könnte.

Daneben ist die Integration in der Politik der Demokraten schon immer angelegt gewesen - mangelnde Umsetzung ist in erster Linie nicht auf eine politische Agenda, wie Sarrazin sie "im Geiste der 68er" heute vorzufinden glaubt, sondern auf die unregierbaren Einzelfälle in den Großstadtghettos zurückzuführen, denen völlig egal ist, ob die Herrscher des großzügigen Einwanderungslandes nun mehr Integration wünschen oder nicht. Dies kann durch Gesetze nach demokratischem Verständnis niemals geändert werden: Sollte es zu Gesetzen nach der Vorstellung Sarrazins nämlich kommen (Pflicht-Kindergarten ab dem 3. Lebensjahr, strenge Sprachtests etc.), so werden Integrationsunwillige ihre Kinder einfach zu Hause lassen. In ihre Wohngebiete wagt sich kein Polizist, und wenn doch, sieht das so aus.

Weiterhin stellen laut Sarrazin nur 1.000 Berliner Jugendliche mit türkischen oder arabischen Wurzeln 20% aller Gewalttäter in Berlin dar. Doch Gesetze gegen Gewaltstraftaten gibt es bereits. Und spätestens seit einer mysteriös aus dem Leben geschiedenen Berlin-Neuköllner Jugendrichterin weiß man, wie es diesbezüglich um die Abschreckungswirkung von Haftstrafen bestellt ist: "Da drin sind alle meine Freunde, meine Brüder... ich hab da Handy, Playstation, was will ich mehr... ich hab keine Angst vor Gefängnis!"

Eine Antwort, wie Sarrazin diese Probleme lösen möchte, bleibt er schuldig - und wird er auch in der Fernseh-Quatschrunde wohl schuldig bleiben.

Und er muss die Antwort schuldig bleiben, denn als echter Demokrat wird er nicht darauf verweisen, dass 80% des menschlichen Verhaltens in den Erbanlagen begründet sind. Er wird sich hüten, herauszuarbeiten, dass Deutschland sich gar nicht abschaffen kann, wohl aber das deutsche Volk - als blutsverwandte Schicksalsgemeinschaft, als kultureller Kraftquell für seine Angehörigen, nicht jedoch für noch so integrationswillige Außenstehende, denen deutsches Wesen und damit deutsches Leben schon rein genetisch immer ein Rätsel bleiben muss - solange deutsches Wesen und deutsches Leben in Deutschland existieren!

Genau hier liegt nun der Kern der "Akte Sarrazin": In Zeiten, in denen immer mehr Deutsche sich des Systems der Demokraten überdrüssig zeigen, in denen Wahlbeteiligungen von unter 50% die Regel werden und antidemokratische Haltungen bei repräsentativen Umfragen offen zutage treten, sind die Demokraten gefordert, das Ventil zu suchen, um den "Kessel Buntes" vor der längst überfälligen Explosion zu bewahren. In ausländerfeindlichen Klischees meinen sie, es gefunden zu haben. Wenig wundern darf es deshalb, wenn alsbald eine neue "rechte Kraft", eine populistische "Ultrarechte", aber natürlich auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnug stehende Partei das Licht der Welt erblickt, mit einem Sarrazin zum Vorsitzenden.

Hier können all die Sarrazins alsbald in den Oppositionssesseln der Parlamente Platz nehmen und schärfere Integrations- und Strafgesetze fordern - in der Gewissheit, sie niemals real anwenden zu können, aber ebenso in der Gewissheit, ein Ventil für all die politisch Unwissenden darzustellen, die sonst vielleicht schon längst nicht nur das System der Demokraten zum Teufel gejagt hätten - solange, bis sich die "Ausländerfrage" durch das Geburtenverhältnis von selbst beantwortet.

Demo-Jingle: Antikriegstag 2010 II

Demo-Jingle: Antikriegstag 2010 II

Mobilisierungs-Jingle für den Antikriegstag am kommenden Sonnabend in Dortmund.

Seit neun Jahren führen die USA mit ihren Verbündeten bereits Krieg gegen das afghanische Volk. Dieser Krieg dauert nun schon drei Jahre länger, als der Zweite Weltkrieg. Seit 2003 besetzen die USA auch den Irak und versuchen mit Waffengewalt eine Demokratie nach westlichem Vorbild zu installieren. Ähnlich wie bei der Bombardierung deutscher Städte in den 40er Jahren, nehmen sie dabei keine Rücksicht auf Zivilisten. Auch Deutschland beteiligt sich als NATO-Mitglied an diesen Kriegen! In Afghanistan durch den Einsatz von über 4000 Bundeswehrsoldaten und im Irak in Form von Überflugrechten, Transporten und durch den Schutz der Einrichtungen auf deutschem Boden. Sowohl die CDU und die FDP, als auch SPD und die Grüne, haben im Bundestag für die Beteiligung an diesen Verbrechen gestimmt. Dagegen werden wir am 4. September 2010 in Dortmund demonstrieren!

Informationen zur Demo findet Ihr unter www.antikriegstag.org und über Twitter unter https://twitter.com/aktticker

Das innere Gesetz

Zu jener Zeit, da die Kämpfe, die sich auf allen Ebenen abspielten, auch von uns und in unseren Herzen mit all ihrer blinden Schärfe und ausweglosen Unbedingtheit ausgetragen werden mussten, konnte unser unbekümmertes Tun nur wachsen aus den wenigen klaren und einfachen Gewissheiten, die uns das Leben selber zutrug.

Jede einzelne unserer Taten, mochte sie noch so unbedenklich aus dem Augenblick geboren sein, mochte sie für das Auge scharfblickender Realpolitiker noch so geringen praktischen Erfolg haben, peitschte zumindest die Entwicklung weiter, warf zumindest höhere Wellen als die wichtigen Beratungen und Verordnungen jeweiliger Minister, als die eifervollen Reden und Beschlüsse der Parlamente, als die aufwandreichen Bemühungen und Versprechen der Parteien und Verbände.

Jede Tat erschütterte weithin das Gefüge der Systeme, griff die mühsam genug konstruierten Gegebenheiten an, forderte von der bedrohten Ordnung Gegenschläge heraus, die unausweichlich zu erneuter Handlung zwangen. Wir unterwarfen uns bewusst dem Zwang, wir sprangen hemmungslos in jede Steigerung, wir erfuhren an uns selbst das Wort vom Fluch der bösen Tat, die fortzeugend Böses muss gebären, ohne freilich weder den Fluch noch das Böse im Range niedrig anzusetzen.

Im Banne der beglückenden Erfahrung dieser Gesetzmäßigkeit aber erwuchs uns verpflichtend die Gewissheit, Vollstrecker eines geschichtlichen Willens zu sein. Dass diese Gewissheit uns nichts vom vollen Gehalte des Wagnisses nahm, dass sie uns von keiner Verantwortung entband, das gab unserem Tun erst die rechte Würze.

Der Wille zur Gestaltung, der uns nicht hinderte zu vernichten, der, in diese Zeit hineingetrieben, die Vernichtung erst möglich und notwendig machte, ließ uns in nächtlichen und übersteigerten Gesprächen, in denen sich der Gleichklang unseres Denkens, unserer Sprache rauschhaft offenbarte, in entfernte Räume tasten, nach dem Sinn unserer Sendung suchen, nach der Richtung forschen, welche die sich schon auf allen Wegen meldenden Kräfte nahmen; nicht nach Rechtfertigung zielte der Wunsch, das ungefüge Bild unserer Träume zu umreißen, sondern nach der Sicherheit, im Schatten nahender Entscheidungen nicht durch leichte Lösung zu gewinnen.

Je näher uns der Wirbel vom Rande an das Zentrum riss, desto härter wurden die Wege zum Entschluss. Was erst fast Spiel war, schlichteste Reflexbewegung wacher Witterung, Draufgehen und Zupacken, weil nichts sonst selbstverständlich war, das heischte mit der schärferen Ahnung des Gesetzes, dem wir hingegeben waren, die volle Haftung, das stellte uns den Zweck verpflichtend vor die Leidenschaft.

Ernst von Salomon

Sozi abzugeben

Sozi abzugeben

Nach der Veröffentlichung der ersten Abschnitte aus Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" fordert der Sozi-Vorsitzende Gabriel den Parteiaustritt des ehemaligen Finanzsenators im rot-roten Berliner Pleite-Senat. Beste Gelegenheit für die "Bürgerbewegung pro Deutschland", sich um Anerkennung zu bemühen, indem sie Sarrazin in der Hoffnung, zukünftig die Briefbögen und nicht zuletzt die eigene Bedeutung zu bereichern, den Parteivorsitz anbieten:

"Wir würden in diesem Fall unverzüglich eine Bundesversammlung durchführen. Ich würde vom Bundesvorsitz zurücktreten und Sarrazin für dieses Amt vorschlagen. Mit ihm an der Spitze ließe sich das Parteiengefüge mühelos aufrollen. Demoskopen veranschlagen unser Wählerpotenzial im Bereich von etwa 20 Prozent der Stimmen. Sarrazin wäre der richtige Mann, um dieses Potenzial vollständig zu erschließen."

Dumm nur, dass dabei nicht bedacht wurde, dass nun jeder weiß, dass man bei der "Bürgerbewegung" wirklich glaubt, mit anderswo abgestoßenen Altpolitikern und deren stets fehlgeschlagenen "Lösungen" die Zukunft neu gestalten zu können.

Verwundern kann das nicht. Jahrzehnte haben die demokratischen Rechtsparteien damit zugebracht, das spießbürgerliche Vorbild der Systemparteien nachzuahmen und es daher nicht geschafft, eine geschlossene Gemeinschaft mit einheitlicher weltanschaulicher Ausrichtung zu bilden, die mit einigen echten Persönlichkeiten ein Gegengewicht darstellt. Aber dies nicht etwa deswegen, weil sie ständig bekämpft worden sind, sondern, weil es sowohl an Persönlichkeiten wie auch an Ideen gemangelt hat.

Deswegen glaubt man auch an das "Potenzial" eines Sarrazins, zu dessen großen Leistungen es in seiner Amtszeit als Finanzsenator gehörte, Hartz IV-Empfängern vorzurechnen, was sie zu essen hätten, um im selben Atemzuge dem Golfclub Wannsee 3 Millionen Euro zu schenken. So träumt man gemeinsam den demokratischen Traum, mit zahlreichen Wahlversprechungen alle Unzufriedenen, Nörgler und Neider hinter sich zu versammeln, um endlich die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen und "anerkannt" zu werden.

Dabei können sie immer nur schlechte Kopien des Systems sein und beweisen dies stetig neu, wenn doch mal einigen von ihnen der Sprung in die gelobten Parlamente gelungen ist. Denn dort stellt sich dann sehr schnell heraus, dass man zwar viel Zeit, Eifer und Anstrengung benötigt hat, um nun auch Parlamentarier zu sein, dort aber ohne weltanschauliche Grundlage hilflos den vorhandenen "Sachzwängen" gegenübersteht und zuletzt voll und ganz die Spielregeln des Systems anerkennen muss.

Genau in diesen Gesetzmäßigkeiten des Systems liegt aber der Grund für die heutigen Zustände: Ichsucht und Besitz gelten mehr als Herkunft und Heimat, jeder ist sich selbst der Nächste - unheilvoll sind die Auswirkungen dieser Untreue zum eigenen Volke!

Daran hat sich bis heute nichts geändert – und da die Ursachen in den "nationalen" Parteizentralen immer noch nicht erkannt worden sind, wird das bestehende System solange weitermachen, bis es über den Abgrund hinaus gefahren wurde.

Ergänzt: Sollte noch irgendwer Zweifel gehegt haben, auch die NPD möchte gern Sarrazin haben - besonders, nachdem man schon bei Möllemann eindeutig zu spät kam. Hessens NPD-Landesvorsitzender Jörg Krebs in einem Offenen Brief:

"Als Landesvorsitzender der hessischen NPD und Frankfurter Stadtverordneter würde ich mich aufrichtig freuen, wenn man sich in einem Gespräch über die Möglichkeiten einer politischen Zusammenarbeit austauschen könnte."

So kann sich der Sozi sozusagen über Nacht aussuchen, in welcher dieser "Speerspitzen" im "Kampf für ein besseres Deutschland" er am liebsten Funktionsträger sein möchte.

 

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