
Den roten Genossen ist die Zahl der toten Deutschen - auch wenn es bei Parolen wie "Nie wieder Deutschland!" verwundert - zu hoch. In der aktuellen Ausgabe des staatlich alimentierten "Blick nach Rechts" schrieb Anton Mägerle, der in Wirklichkeit Gernot Modery heißt, wir missbrauchen das Gedenken an die Toten des Luftangriffs der alliierten Bomberkommandos auf Dresden.
Nicht zur Kenntnis genommen wird in diesen Kreisen, dass Dresden 1945 das größte noch existierende Zentrum der deutschen Rüstungsindustrie und ein strategisch bedeutsamer Verkehrsknotenpunkt war.
Tatsächlich hatte Dresden keine Rüstungsindustrie, keine wesentliche Flak oder Luftabwehr, nicht einmal Schutzbunker. Militärisch interessant war höchstens ein Truppenumschlagsbahnhof, der aber bei den Angriffen kaum getroffen wurde und dessen Gleise in den Tagen danach, als man die Toten auf Roste aus Stahlschienen aufschichtete und verbrannte, schon wieder repariert waren. Bereits im Februar 1942 erhielt Marschall Arthur Harris den Geheimbefehl des Luftwaffenstabes, nachdem das Hauptangriffsziel von nun an die Moral der feindlichen Zivilbevölkerung, vor allem der Arbeiterschaft sein soll. Dresden war der Höhepunkt dieser Politik.
Dresden war eine jener Städte, in der reichsweit am 8. März 1933 die ersten Buchverbrennungen stattfanden und die bis zum 8. Mai 1945 eine funktionierende NSDAP-Verwaltung hatten.
Im ganzen Land war die Luftschutzorganisation in die NSDAP eingegliedert. Die Verwaltung organisierte Löschtrupps, versuchte sich ein Bild von der Zerstörung zu machen und das Hauptzentrum des Feuersturms festzustellen, um Gegenmaßnahmen einzuleiten und kümmerte sich um Versorgung der Überlebenden. Ausgerechnet das funktionieren dieser Struktur als Rechtfertigung für die Vernichtung hunderttausender Zivilisten heranzuziehen, ist beeindruckend. Zudem müssten gerade die roten Genossen wissen, dass 1945 nicht das letzte Buch verbrannt wurde.
Wenn heute der Angriff auf Dresden mit dem Hinweis verdammt wird, dass der Krieg ja bereits entschieden war, muss man erwidern, dass dieser vollkommen sinnlose Krieg noch wochenlang vom Deutschen Reich - auch per Luft - kompromisslos weitergeführt wurde. Zuletzt explodierte am 27. März 1945 in London eine V-2-Rakete.
Als Dresden planmäßig zerstört wurde, stand die Rote Armee schon an Oder und Neiße. Seit März 1944 besaßen die Westalliierten die Luftüberlegenheit über Deutschland und standen mit ihren Truppen am Rhein. Selbst wenn man von der "Strafgerichtsthese" ausgeht, wäre das zweifelhafte Recht der Gegenwehr mit gleichen Mitteln weit überzogen worden. Aber so werden dann auch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki oder der Einmarsch in Afghanistan gerechtfertigt.
Mal ehrlich, da wäre es doch besser gewesen, die roten Genossen hätte ihr "Bomber-Harris, do it again!" ohne "Begründung" stehen lassen.
04.02.10
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