Wachstum, Wachstum, Wachstum

Wachstum, Wachstum, Wachstum

Es ist jetzt bereits ein Jahr her, als der amerikanische Finanzmarkt im September 2008 ausgehend von der dortigen Hypotheken-Krise zusammenbrach und sich zur schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelte. Doch gerade in Wahlkampfzeiten, in denen der Kampf um den persönlichen Macht- und Einflussbereich bundesdeutscher Demokraten stärker denn je oberste Priorität genießt, ist von Krisenstimmung nicht mehr viel zu spüren.

Gebetsmühlenartig wiederholen sich die scheinbar unendlichen Versprechungen, mit denen der Eindruck vermittelt werden soll, der soundso oft propagierte Wirtschaftsaufschwung würde nun gleichmäßig an alle verteilt werden, um Stimme für Stimme den eigenen Platz am Futtertrog der Demokratie zu sichern.

Doch kommt Euch das nicht auch alles irgendwie bekannt vor? Zur Erinnerung: Bereits vor zwei Jahren schmückten sich die Demokraten im Zeichen von Wachstum und steigender Finanzkraft. So Merkel im November 2007 vor dem Deutschen Bundestag:

"In den vergangenen zwei Jahren hat Deutschland verlorene Leistungskraft zurückgewonnen. Das ist das Ergebnis der zurückliegenden Reformen. [...] Der Aufschwung kommt bei den Menschen an."

Oder SPD-Fraktionschef Struck:

"Was wir geleistet haben, kann sich sehen lassen, und auf diesem Weg werden wir weiter gehen."

Dabei spielt es für die Demokraten, die dem selbst herbeigeführten Chaos in Deutschland längst völlig rat- und hilflos gegenüberstehen, überhaupt keine Rolle, dass genau dieser Weg uns erst in die heutige, so bedrohliche Lage geführt hat. Tatsächlich sieht der viel beschworene Aufschwung und der - nach demokratischer Logik - daraus resultierenden Wohlstand anders aus:

Ob die Wirtschaft eines Staates wächst oder fällt, wird in der Regel am jeweiligen Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen. Das BIP gibt den Gesamtwert aller Güter (Waren und Dienstleistungen) an, die innerhalb eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt wurden und dem Endverbrauch dienen.

Erst kürzlich kam jedoch eine Kommission unter der Leitung der beiden Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz und Amartya Sen, im Auftrag des französischen Präsidenten Sarkozy, in einem fast 300 Seiten starken Gutachten zu dem Ergebnis, dass das BIP zur Wohlstandsmessung der Bevölkerung eines Staates nur sehr begrenzt taugt.

Stattdessen deutete sich schon anhand einfach verfügbaren Daten an, das in vielen G20 Ländern, darunter auch Deutschland, selbst der „Aufschwung“ bis zum Jahre 2008 im Volk nicht zu spüren war.

Um die wahre Einkommensentwicklung beurteilen zu können, wurde von der Stiglitz-Sen-Kommission nicht das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen betrachtet, sondern das Einkommen eines typischen Haushaltes, welcher sich genau in der Mitte der Einkommensverteilung befindet.

Das sich daraus resultierende Ergebnis spricht Bände. So ging es dem typischen Haushalt in Deutschland 2008, noch vor Ausbruch der Krise, schlechter als im Jahre 2001. Die Demokraten haben es demnach von 2001 bis 2008 geschafft, in Zeiten stabiler Wirtschaftsentwicklung, in denen Sie nicht müde wurden mittels Wachstumsprognosen Ihre Ideologie als das Allheilmittel darzustellen, die Nettolöhne und –gehälter um etwa 3,5 Prozent zu senken.

Obwohl die deutsche Wirtschaftsleistung in diesen Jahren um rund 200 Milliarden Euro wuchs, konnte sich die breite Masse - also die Menschen, die dieses Wachstum erarbeitet haben – immer weniger leisten.

Laut Stiglitz und Sen werden die Lebensumstände in einem Land neben dem Einkommen aber auch an der Lebenserwartung und den Bildungschancen gemessen. Diese beiden Bereiche werden vom sogenannten „Human Development Index“ der Vereinten Nationen betrachtet. Danach legte dieser Index in Deutschland seit 2000 nur minimal zu - im Vergleich zu den Jahren 1990 bis 2000, in denen sich die Lebensbedingungen laut Index spürbar besserten.

Und diese Entwicklung wird sich dank der symptomatischen Unfähigkeit bundesdeutscher Demokraten in den nächsten Jahren konstant fortsetzen. Sie werden weiter ahnungslos an zahlreichen Rädchen und Schräubchen des Systems drehen, einen kurzen Moment hoffnungsvoll abwarten, ob nun alles besser wird, um dann unmittelbar vor dem Abgrund immer schneller und hastiger zu agieren, ohne natürlich einen entscheidenden Erfolg erzielen zu können.

Denn sie haben nicht erkannt, dass an ihrem morschen System nicht nur ein paar Einstellungen falsch sind, sondern dass es überhaupt nicht mehr dazu taugt, die heute gestellten Fragen richtig zu beantworten.

24.09.09

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Kommentare

frosch
25.09.09 um 09:12
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Kommentar 1

Die Krise ist vorbei - es lebe die Krise! Angesichts der horrenden Staatsverschuldung in Milliardenhöhe brauchen selbst zukünftige Generationen nicht von Wachstum zu reden. Aber es is ja Wahlk(r)ampf, was erzählt man da dem dummen Wahlvieh nicht alles für nen Stuss....



nicht wichtig
25.09.09 um 12:46
antworten

Kommentar 2

Und der blinde Bürger glaubt natürlich den ganzen Stuss was ihm die Herrschenden erzählen.



frosch
25.09.09 um 18:16
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Kommentar 3

So machen Demokraten den Aufschwung :-)

http://www.youtube.com/watch?v=wQP-sNumFlg



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