Als "Deutschlands erste türkischstämmige Ministerin" wurde die eigens von Bundespräsident Christian Wulf - in seiner damaligen Position als niedersächsischer Ministerpräsident – ins Amt der Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration des Landes Niedersachsen gehievte Muslimin Aygül Özkan im April letzten Jahres bundesweit gefeiert und zum Aushängeschild bundesdeutscher Integrationspolitik definiert.
Um nun im Ringen um den stetig wachsenden Anteil potenzieller Wähler nicht-deutscher Herkunft nicht den Kürzeren zu ziehen, sah man sich bei den Sozis anscheinend im Zugzwang und zauberte im Mai dieses Jahres die Türkin Bilkay Öney auf das politische Parkett, um mit ihr im Zuge der Landtagswahlen in Baden-Württemberg das neu geschaffenen Amt der Integrationsministerin zu besetzen.
Mit Öney, die seit ihrem dritten Lebensjahr in Berlin aufgewachsen ist, ein Studium der Betriebswirtschaftslehre und Medienberatung absolvierte, Mitglied im "Bund Deutscher PfadfinderInnen" war, als Sprecherin der Initiative "ImmiGrün - Bündnis der neuen InländerInnen" fungierte, ihr politisches Dasein bei den Grünen begann, bevor sie 2009 zur SPD wechselte, schienen sich die Sozialdemokraten sicher, ein Vorzeigeobjekt gelebter Integration präsentieren zu können.
Seit Anfang dieser Woche sorgt die multikulturelle Überfliegerin nun allerdings für Schlagzeilen, die ihr scharfen, parteiübergreifenden Gegenwind ins südländische Gesicht blasen lassen. Denn eines hatte man Öney im Briefing für ihren neuen Posten scheinbar vergessen mitzuteilen: Dass die Ernennung zur Ministerin für Integration keineswegs einen Freibrief beinhaltet, der dazu berechtigt, öffentlich alle Aspekte eben jenes multikulturellen BRD-Irrsinns benennen zu dürfen.
So sprach sich Öney in der "Welt am Sonntag" für eine Aufrechterhaltung der Visumspflicht für nach Deutschland einreisende Türken aus, um einer "unkontrollierten Einwanderung" entgegenzuwirken. Öney wörtlich:
"Je mehr Türken wir im Lande haben, desto mehr Unruhe haben wir."
Das Echo ließ nicht lange auf sich warten. Neben dem obligatorischen Aufschrei der "Türkischen Gemeinde", dessen stellvertretender Bundesvorsitzende seine Landsmännin sogleich in eine Ecke mit Sarrazin stellte, forderte der Landesvorsitzende der "Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft" (CDA), Christian Bäumler, den Rücktritt Öneys. Er bezichtigte sie der "Stimmungsmache gegen Türken" und sieht in der türkischen Integrationsministerin einen "krassen personellen Fehlgriff".
Mal abgesehen davon, dass es an und für sich völlig irrelevant ist, welche geistigen Ergüsse ein Integrationsminister im Laufe seiner "Karriere" von sich gibt – immerhin handelt es sich bei dem Amt lediglich um einen, im Zuge ausschweifender Anbiederungen an die Interessen staatlich alimentierter und bald zur Mehrheit werdender Minderheiten, künstlich geschaffenen Posten ohne realen Einfluss auf das politische Geschehen - macht das Beispiel Öney deutlich, welche lächerlichen Ausmaße die politisch überkorrekten Scheuklappen auf den Augen demokratischer Ideologen bereits angenommen haben.
Denn wenn selbst eine türkische Ministerin für Integration sich dem Vorwurf der "Stimmungsmache gegen Türken" konfrontiert sieht, weil sie an der Oberfläche dessen kratzt, was offiziell nicht ist, und deswegen auch nicht sein darf, hat man die Haltung des Systems, das 1989 wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel, längst übernommen.
25.08.11

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Steffen
25.08.11 um 22:00
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Sehr guter Artikel, der sich in seiner Abstraktion ohne weiteres auf so viele Personen und Vorgänge übertragen ließe. Bundesdeutsche Politik im engeren und weiteren Sinn hat bekanntlich garnichts mit deutscher Politik zu tun. Es gibt mitunter eine Mehrheit an Zuwanderern, welche sich ebenfalls geradezu spöttisch über bundesdeutsche Politik und Teile "deutscher Gesellschaft" äußern. Ob das nun generalisierter Gender Mainstream, Minderheitenbevorzugung, Homosexuellenvergötterung, ein hohes Ansehen asozialer weil kinderloser Karrierefrauen etc. pp ist. Trotzdessen: der Feind meines Feindes wird dadurch noch nicht zu meinem Freund.