Schein statt Sein – eine Demokratenkarriere

Schein statt Sein – eine Demokratenkarriere

Der Verteidigungsminister der BRD, Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, steht vor einem Problem, das alle bisherigen kritischen Blicke auf seinen politischen Schnellstart in den Schatten stellt. Der Vorwurf: Viele Teile seiner Dissertation zum Thema „Verfassung und Verfassungsvertrag: konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ seien schlicht aus Zeitungsartikeln und Fachaufsätzen abgeschrieben worden, ohne, dass der Autor diese Fremdleistungen als solche gekennzeichnet hätte. Dieser räumt ein, dass er evtl. vergessen habe, ein paar Fußnoten zu setzen, was auf über 400 Seiten durchaus passieren könne.

Schon scheint es, als bekäme das Gesamtbild des Allround-Experten eine neue Delle. Doch war es nicht schon ein äußerst verbeultes Profil, das zu Guttenberg der Öffentlichkeit zwischenzeitlich offenbarte? Augenscheinlich nicht, denn noch immer ist er der beliebteste Bundesminister der Deutschen, dem in jeder Umfrage größte Sachkunde und höchstes Engagement bescheinigt werden.

Doch wir erinnern uns: Kurz nach seiner Ernennung zum Bundeswirtschaftsminister im Jahre 2009 bejubelte die Medienlandschaft, dass ein exzellenter Fachmann, ein erfahrener Praktiker aus der freien Wirtschaft genau der richtige Leiter des Wirtschaftsministeriums in Zeiten der Krise sei. Schließlich sei er über viele Jahre geschäftsführender Gesellschafter der Münchener Guttenberg GmbH gewesen.
Und richtig – so ist es bis heute auf der Internetseite des Freiherrn zu lesen. Pikant daran: Das von den Medien darin erkannte Großunternehmen, die "von Guttenberg GmbH", ein Fachgroßhändler für Trockenbau und Isoliertechnik mit 40-jähriger Betriebsgeschichte, vier Standorten in Deutschland und internationalem Absatz, hat nichts mit dem aufstrebenden Politiker zu tun! Eine peinliche Verwechslung. Herr zu Guttenberg war stattdessen geschäftsführender Gesellschafter in der ebenfalls in München ansässigen "Guttenberg GmbH", einer Firma mit drei Mitarbeitern, die sich um die Verwaltung des Familienvermögens der Guttenbergs kümmerte.

Überdies rühmte sich zu Guttenberg auf einer Pressekonferenz kurz vor Amtsantritt als Wirtschaftsminister damit, federführend am Börsengang der Rhön Klinikum AG beteiligt gewesen zu sein. Dieser Börsengang fand am 27. November 1989 statt - der Freiherr war zu jener Zeit 17 Jahre alt.

Nicht minder herausragend ist zu Guttenbergs Fachkompetenz in Sachen Wehrpolitik. Sein einziger Berührungspunkt mit militärischen Inhalten war bis zu seiner Ernennung zum Bundesverteidigungsminister die Ableistung des Grundwehrdienstes.

Wo die wirklichen Schwerpunkte liegen, die es beim Griff nach höchsten politischen Ämtern in der BRD zu setzen gilt, verdeutlicht das internationale Engagement zu Guttenbergs: Seit 2002 ist er Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, der Atlantik-Brücke und des Aspen-Instituts.

Die "Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik" versteht sich als "aktiver Begleiter der außenpolitischen Meinungsbildung auf allen Ebenen" und "nimmt Einfluss auf Entscheidungsträger in der deutschen Politik, Wirtschaft, Verwaltung und im Militär". Vorsitzender dieses Vereins war bis zum Jahre 2005 der Bankier Alfred Freiherr von Oppenheim, der gleichzeitig über viele Jahre Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages war. 1997 richtete er einen Lehrstuhl für die Erforschung des Antisemitismus, Rassismus und des Holocaust an der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ein. Auch der Vorgänger zu Guttenbergs im Amt des Wirtschaftsministers, Michael Glos, war Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Die "Atlantik-Brücke" ist ein Verein "zur Förderung des deutsch-amerikanischen Verständnisses", welcher 1952 vom Hamburger Bankier Eric M. Warburg gegründet wurde. Der Vorstand besteht aus Mitgliedern aller Systemparteien, von CDU, über FDP, SPD bis zu den Grünen. Aufgenommen werden laut Vereinssatzung "führende Vertreter des wirtschaftlichen, politischen, kulturellen, medialen und wissenschaftlichen Lebens Deutschlands".

Das Aspen-Institut organisiert Konferenzen "für Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Kultur". Der aktuelle Präsident ist Walter Isaacson.

Auffällig ist, dass alle drei Vereine die Beeinflussung der medialen Öffentlichkeit unverblümt als Ziel definiert haben. Wen wundert es da, dass aus einem politisch völlig unbeschriebenen Blatt, einem Langzeitstudenten mit formaler Tätigkeitsbezeichnung im Familienbetrieb über Nacht ein Spitzenpolitiker wurde?

Unmittelbar vor Beginn seiner weltpolitischen Laufbahn verkaufte zu Guttenberg übrigens Aktien aus dem Familienbesitz, wobei er einen Erlös von 260 Millionen Euro erzielte. Dies könnte den finalen Beitrag dazu geleistet haben, auch die letzten stillen Gönner des Karrieristen zu überzeugen, die nach einem werbetauglichen, frischen, dynamischen Gesicht für das Profil der alternden BRD-Politkaste suchten.

Doch wenn es auch frustrierend erscheint, dass all diese Fakten offen zugänglich sind, aber der Überzahl der Deutschen schlicht egal zu sein scheinen: Minister zu Guttenberg verkörpert so plastisch wie kaum ein anderer derzeit (un)tätiger BRD-Politiker die Maxime der Demokraten, dass Schein höher steht als Sein. Und genau dieser eklatant falsche Ansatz ist es, der all diejenigen hoffen lässt, die sich des baldigen Untergangs des herrschenden Systems bewusst sind: Was heute noch durch die Systemmedien in Amt und Würden gehalten wird, das wird in offenkundigster Lächerlichkeit durch den Ausguss der Geschichte gespült, sobald der einzige Wert der Demokraten – ihr endlos wachsender Geldbestand – an den Realitäten natürlicher Mechanismen verpufft! Wer wird dann zugeben, einst begeisterter Wähler der vielen zu Guttenbergs gewesen zu sein?

16.02.11

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Kommentare

Nada
16.02.11 um 21:59
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Kommentar 1

Und das ist der ihr Bester. Wahnsinn!



THST
17.02.11 um 06:17
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Kommentar 2

Ja, das ist erstaunlich. Aber er wackelt, diesmal weil er die Schuld nicht auf andere schieben kann. Die Aktion mit dem Doktortitel bricht ihm das Genick.



Karl
17.02.11 um 06:42
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Kommentar 3

VIDEO DAZU

Zu lustig...



Uwe.H
28.02.11 um 15:38
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Kommentar 4

Ich hoffe, das hat bald ein Ende mit diesen Halunken.



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