Lebende Fackeln im Feuersturm

"Zwischen Wolle-Leupold und dem Fernsprecheramt wirbelten drei brennende Frauen herum - irrsinnig schreiende, riesige menschliche Fackeln", berichtete eine Telefonistin, die im Fernsprechamt Dienst hatte.

Es war nicht anzusehen, und ein paar Arbeiter wollten sie retten. Einer hatte irgendwo eine Wäscheleine erwischt, ein anderer riss eine Decke von der Tragbare, tauchte sie in ein Löschwasserfass, wickelte sich vom Kopf bis zu den Knien in die triefenden Fetzen, schlang die Leine drüber und rannte durch den Seitenausgang hinaus.

Er versuchte, über die Straße zu kommen. In der Mitte erfasste ihn der Flammensturm und wirbelte ihn gegen den Postplatz. Noch wollte er nicht zurück, wollte helfen, die lebenden Fackeln zu löschen, aber vergebens. Jetzt kroch er auf dem Bauch, winselnd vor Schmerz. Der Dampf auf der siedenden Decke wurde quälender als Staub und Qualm und Flammen um ihn her.

Auf der Straßenmitte packte ihn eine neue Feuerzunge und wirbelte ihn wieder dem Postplatz zu. So weit, dass die Wäscheleine nicht mehr reichte. Als wir ihn hereingezogen hatten, fielen die letzten glimmenden Zunderfetzen von seinem Leib.

Über das krebsrote, verbrühte und verbrannte Gesicht lief ein schmerzliches Zucken. Aus einem Mund mit den festverbissenen Zähnen presste sich ein tierischer Laut, rauh und rissig, als bräche eine Stahlplatte.

Der zuckende, nackte verbrannte Körper wollte sich winden, aufbäumen und wälzen. Er fing an zu zucken, streckte sich und lag plötzlich still. Der Krampf, der die Kinnlade band, löste sich. Still, ganz still lag er – tot.

05.02.10

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