Hoyerswerda, erinnerst Du Dich noch?

Hoyerswerda, erinnerst Du dich noch?

Erinnerst Du Dich an die bewegte Zeit kurz vor dem Mauerfall? An die Menschenmassen auf den Straßen, die gewaltigen Sprechchöre, die Transparente, die Hoffnung auf eine Wende? Auf eine Verbesserung, nach mehr Freiheit und mehr Wohlstand? Weißt Du noch, wie Dein Atem stockte, als im Fernsehen von der sofortigen Öffnung der Grenzen berichtet wurde – als ein Ziel erreicht schien, das Wochen vorher noch unerreichbar klang? Kannst Du Dich entsinnen, wie Tausende politisch Verfolgte aus den Stasiknästen entlassen wurden? Wie Du erstmals Deine Stasiakte lesen durftest, oder das, was von ihr übrig geblieben war? Fühlst Du noch die Genugtuung, als Staatsmänner von den Regierungssesseln auf die Anklagebank wechselten? Als Mauerschützen vor Gericht standen? Spürst Du noch das Gefühl der erlösenden Einheit, als Du Familienangehörige aus dem Westen besucht hast und im Westen auf den Straßen freudig begrüßt wurdest?

Was ist davon übrig? Fühlst Du mehr Freiheit, weil Du heute zwar reisen darfst, wohin Du magst, Dir aber oftmals schon das Geld für das Allernötigste fehlt? Bist Du jetzt freier, weil Du in den Westen ziehen kannst – nicht, um dort Freiheit und Wohlstand zu finden, sondern, um der Armut zu entfliehen, die sich in Deiner Heimat breit macht? Fühlst Du, dass alles besser wird, wo um Dich herum die Häuser abgerissen werden und nur verrostete Spielplätze noch Zeugen einer anderen Zeit sind – einer Zeit, in der Deine Stadt die Kinderreichste im ganzen Lande war? Findest Du auch – wie Dein Bürgermeister – dass Deine Stadt das Beste aus sich macht, wo doch genügend Altenwohnheime und Apotheken vorhanden sind, während Kindergärten und Schulen die Schließung droht? Ist noch etwas von der Genugtuung übrig, wenn Du erfahren musst, dass Tausende ehemalige Stasimitarbeiter und Parteifunktionäre der DDR auch heute noch auf gut bezahlten Verwaltungsposten sitzen, dass Mauerschützen freigesprochen wurden und Herrscher von damals ein luxuriöses Leben im südamerikanischen Exil führen? Spürst Du noch die erlösende Einheit, wenn Westdeutsche Dir medienwirksam mitteilen, dass Du faul bist, Du ihnen auf den Taschen liegst und sie sich die Teilung Deutschlands zurückwünschen?

Vermutlich spürst Du all dies nicht mehr. Verflogen ist die Euphorie. Auf dem Weg in die Freiheit bist Du im "Westen" angekommen. Veränderungen hat es gegeben, doch es sind nicht die, die Du Dir 1989 so erhofft hattest: Der Altersdurchschnitt Deiner Stadt liegt bei 49 Jahren, die Einwohnerzahl hat sich im Vergleich zur DDR-Zeit halbiert. Jeder Vierte ist arbeitslos und das Durchschnittsgehalt derer, die noch Arbeit haben, liegt 400 Euro unter dem Bundesdurchschnitt. Kinder werden kaum geboren – aus wirtschaftlichen Ängsten oder aus Zwang, flexibel für den Arbeitsmarkt bleiben zu müssen. Kurzfristige Verbesserungen der Infrastruktur ergeben sich aus dem Umbau der einst kinderreichsten Stadt der DDR zum Rentnerparadies – mit der Gewissheit, dass mit dem letzten Rentner auch das letzte Stück Heimat in Hoyerswerda stirbt. Die Stadt wird systematisch zurückgebaut – aus riesigen Wohnsiedlungen werden Wiesen und Wälder. War dies wohl einst mit den versprochenen „blühenden Landschaften“ gemeint?

Die Demokaten haben sich in 20 Jahren ihrer Herrschaft als unfähig erwiesen, diesen Trend aufzuhalten – vielmehr haben sie ihn bewusst gefördert und loben sich gegenseitig für die Aufforstung von einstigen Wohngebieten und die Schaffung einer Rentnerstadt. Wurden Herrscher einst dafür gepriesen, Ländereien urbar und Wälder zu Siedlungsgebieten gemacht zu haben, um die Zukunft ihres expandierenden Volkes zu sichern, beglückwünschen sich die Demokraten zu immer groteskeren Ideen, den Tod ihres Volkes bestmöglich zu verwalten. Du siehst diesen Volkstod nicht, er klingt abstrakt, ja geradezu schwarzmalerisch? Dann geh mit offenen Augen durch Hoyerswerda und vergleiche es mit den Bildern von früher! Schau Dir die verrosteten Spielplätze an und erinnere Dich an lautes Kinderlachen vor 20 oder 30 Jahren an diesen Orten!

Wie oft warst Du wütend, hast Dich aufgeregt über die Herrschenden, Dir sogar die Zeit vor 1989 zurückgewünscht? Wie oft hast Du kopfschüttelnd vor dem Fernseher gesessen oder bedrückt die Schilderungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis vernommen, wenn wieder einer arbeitslos wurde oder seine Kinder hunderte Kilometer in die Ferne ziehen lassen musste, weil die Heimat ihnen keine Perspektive bietet? Weil die Freiheit der Demokraten nicht die Freiheit des Volkes, sondern die Freiheit der Märkte bedeutet und deshalb Menschen nur soviel wert sind, wie sie an ihrem jeweiligen Standort produzieren oder konsumieren können?

Hast Du aufgegeben, verlernt, die Euphorie zu fühlen, die in Dir aufflammt, wenn Menschen sich in Massen zusammenfinden, um für ein Ziel zu kämpfen? Der Weg, der 1989 von Tausenden eingeschlagen wurde, führt durch ein tiefes Tal – durch das System der Demokraten und all das Elend, all die Widerwärtigkeiten, die Dich heute umgeben – doch er ist hier noch nicht zu Ende! Weder die Sehnsucht nach den einst so verhassten Zuständen in der DDR, noch die Versuche, den Volkstod so zu verwalten, dass er für die letzten Deutschen möglichst erträglich wird, werden dem großen Ziel gerecht, für das 1989 Deutsche zu Tausenden auf die Straßen gingen! Was Du heute erlebst, ist nicht das Ergebnis von 1989, sondern eine Etappe, die es zu überwinden gilt – wenn nicht all die Bemühungen und Hoffnungen der Zeit vor dem Mauerfall umsonst gewesen sein sollen!

Es gibt Menschen, die fühlen wie Du. Die erkannt haben, was Du erkannt hast und die bereit sind, die ekelhafteste Etappe des Weges endlich zu verlassen und weiterzugehen – in der Gewissheit, dass am Ende die Ziele stehen, für die sich ihre Eltern einst auf diesen Weg begeben haben, um auf halber Strecke im System der Demokraten zu resignieren. Doch Resignation ist Feigheit!

Generationen der Feigheit müssen vergehen! Komm am 1. Mai 2010 auf die Straßen Deiner Stadt und schließ Dich dem Protest des Widerstands an! Bring Freunde und Bekannte mit und gib den Demokraten zu verstehen, dass Du Dich ihren Plänen, Hoyerswerda sterben zu lassen, widersetzt! Zeig ihnen, dass Deutsche bereit sind, für eine Zukunft in ihrer Heimat zu kämpfen – so, wie es schon einmal war!

06.04.10

Weitere Artikel zum Thema

Kommentare

xxx
07.04.10 um 09:58
antworten

Kommentar 1

Ich fühle es, ich versuche zu verstehen was der Schreiber meint und ich denke, dass ich es begriffen habe. Sehr guter Artikel!

Am 1. Mai will auch ich in Hoyerswerda den Leuten die Augen öffnen und laut sagen, was ich denke aus der Hoffnung, dass es soviel erreicht, wie es nur geht. Ich habe es satt, als Hilfsarbeiter zu arbeiten, weil ich in meinen Beruf nirgens HIER eine Stelle finde. Ich habe es satt, verfolgt und bespitzelt zu werden. Ich will nicht zusehen, wie ich mit meiner Familie und vielen Deutschen um mich herrum aussterbe.

Ich will keine Represion mehr spüren für Taten, die keine Untaten sind, sondern mein Recht!



Sir Blackpin
25.04.10 um 12:31
antworten

Kommentar 2

.... wollten wir eigentlich nicht mehr!?

Wozu sind wir auf die Straße gegangen? Weiss das heut noch jemand?

Ich für meine Person kann sagen was ich wollte:

- Redefreiheit! sagt was Du denskt ohne Repressalien
- Abschaffung der Verfolgung anders Denkernder
- ja, auch Reisefreiheit
- Freiheit für alle politischen Gefangenden
- Abschaffung des bestehendes Staatssystem

- Wiedervereinigung??? stand nicht auf dem Zettel....
hier beginnt die Euphorie der Massen, nach der DM. Hier kamen die Politiker-West mit dem "blühendem Deutschland" und akkreditierten Politiker-Ost,wie de maiziere (schreibe ihn bewusst nicht groß), die ja Politiker aus dem Volke waren??? Naja...

...und alle sprangen im Dreieck zu den Wahlen und verkauften sich an die DM, für ne Banane und nen Pfundkaffee.

Keiner ahnte auch nur was das bedeutete, die Euphorie hat alle erfasst, ja auch mich, obwohl ich nicht cdu gewählt hatte. Die Euphorie, alle Verwandten, Bekannte und Freunde zusehen überwog einfach.

Leider geht es vielen noch zu gut um aufzustehen und eine neue Veränderung ins rollen zubringen. Sie werden ja vom Staat gefüttert, gerade mal so das sie nicht aufstehen wollen.

Und wenn es mal wieder zu den Wahlurnen geht!? Was macht der Staat? Er holt die alte Stasi und die SED raus, und hält den Leuten das alte Schreckgespenst vor die Augen. Nur um Auszudrücken: Wählt uns, wählt uns, wir sind die Guten.
Tja für Euch dekadente Politiker..... nicht für das Volk.



Kommentar schreiben

Name


Kommentar
kommentar


 


...lade
 

Kontakt

Du suchst Kontakt zu aktiven Widerstandsgruppen in Südbrandenburg, hast Fragen oder Hinweise? Dann melde Dich über das Kontaktformular!

Nutze das Tor-Netzwerk, um dem Apparat die Verfolgung zu erschweren!


Feed Flickr