Guttbye! Dem Lügenbaron den Schuh zeigen

Guttbye! Dem Lügenbaron den Schuh zeigen

In Berlin haben sich heute Mittag etwa 400 Menschen zu einer Demonstration versammelt, um den Rücktritt des Verteidigungsministers Guttenberg zu fordern. Sie folgten einem nur 36 Stunden zuvor über das Internet verbreiteten Aufruf, aus dem Umfeld des CCC.

Guttbye! Dem Lügenbaron den Schuh zeigen

Ebenso erfolgreich wie die Demokratie am Hindukusch verteidigt Minister zu Guttenberg derzeit seinen inzwischen von der Universität Bayreuth aberkannten Doktortitel. Zwar räumte er "gravierende Fehler" in seiner Dissertation ein, bestritt jedoch vorsätzliches Handeln.

Guttbye! Dem Lügenbaron den Schuh zeigen

Jura-Professor Oliver Lepsius, der Nachfolger von Guttenbergs Doktorvater, wirft dem Lügenbaron "Realitätsverlust" vor:

"Er kompiliert planmäßig und systematisch Plagiate, und er behauptet, nicht zu wissen, was er tut. [...] Wir sind einem Betrüger aufgesessen. Es ist eine Dreistigkeit ohnegleichen, wie er honorige Personen der Universität hintergangen hat."

Auch gehen mehrere Juristen davon aus, dass zu Guttenberg mit Vorsatz gehandelt habe. Der auf Streitfälle bei Examensarbeiten spezialisierte Rechtsanwalt Michael Hofferbert erklärte:

"Kein Richter wird einem Kandidaten glauben, der über hundert Seiten seiner Doktorarbeit abschreibt und hinterher behauptet, er habe dies versehentlich getan."

Guttbye! Dem Lügenbaron den Schuh zeigen

Unter den Losungen "Guttenberg, Guttenberg – weg mit diesem Lügenzwerg!" und "Abtreten! Abtreten!" zogen die Demonstranten vom Potsdamer Platz zum Verteidigungsministerium. Neben den vielen Plakatschildern trugen viele Demonstranten selbst gebastelte Lügennasen aus Gips und hielten, in Anlehnung an die Revolutionen im Nahen Osten und gleichzeitig als Anspielung auf zu Guttenbergs fehlenden Fußnoten, Schuhe in die Höhe.

Guttbye! Dem Lügenbaron den Schuh zeigen

Im Anschluss an die Demonstration hinterließen die Teilnehmer ihr mitgebrachtes Schuhwerk am Zaun des Verteidigungsministeriums und kündigten an, nun jede Woche wieder zu kommen, bis der Geschichtenerzähler zurück auf sein Märchenschloss geht und abdankt.

Ihr seid also weiterhin aufgerufen, am nächsten Sonnabend um 12:30 Uhr zum Potsdamer Platz zu kommen. Bringt Extra-Schuhe und viele Plakat-Schilder mit. Wem das nicht möglich ist, für den wird derweile über Twitter erklärt, wie er den Protest aus der Ferne unterstützen kann:

Schritt 1: Guttenbergfoto ausdrucken.
Schritt 2: Schuhe darauf abtreten.
Schritt 3: An 030/18248004 faxen.

26.02.11

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Kommentare

FN Jena
26.02.11 um 21:19
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Kommentar 1

Für einen Politiker ist es gefährlich, die Wahrheit zu sagen. Die Leute könnten sich daran gewöhnen, die Wahrheit hören zu wollen.



Parzival
27.02.11 um 04:42
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Kommentar 2

Sehe ich genauso wie die FN aus Jena.

Auf jedenfall eine gute Aktion und Respekt und Dank an alle die da waren aber nächsten Sonnabend ist in Chemnitz Gedenkmarsch zum Jahrestag der Bombardierung der Stadt! Ich will nicht zur Spaltung aufrufen aber genauso wenig will ich, dass dieses Ereigniss vergessen wird! Leider kann man nicht an 2 Orten gleichzeitig sein, sonst wäre ich es des öfteren - so auch nächsten Sonnabend!



Wut
27.02.11 um 23:28
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Kommentar 3

Also ich bin kein Student, Doktorand oder ähnliches aber ich halte das ganze "Betrogen" oder "Vergesslich"-Gequatsche für lächerlich. Fakt ist doch, dass der Guttenberg vielen einfach zu populär ist und es ja auch kein Zufall ist, dass sich da einer mit 400 Seiten Scheiß befasst, um das Haar in der Brühe oder eben Fehler zu entdecken und der "Enthüller" eben nicht gerade ein Konservativer war. Der Stein kam ins Rollen und alle machen mit - und wir hier jetzt auch! Könnte jemand, der die Zeit dazu hat, mal alle Doktorarbeiten von den im Bundestag herumlungernden Volksschädlingen prüfen? Würde mich einfach nur mal eben interessieren! Den steineschmeißenden Außenminister oder den Terroristenanwalt als Innenminister hat's ja auch gegeben, am besten nicht auf jeden Zug aufsteigen. Ob der Guttenberg nun geht oder nicht - besser wäre, die gingen alle, in Libyen werden da grad Stellen frei!
Ansonsten geh ich auch (lieber) auf Gedenkmärsche als mich von den Demokraten für Ihre Grabenkämpfe einspannen zu lassen!



kneipier
28.02.11 um 15:20
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Kommentar 4

Es ist doch ganz einfach:

Jedermann kann eine Strafanzeige mit Strafantrag bei der Polizei oder der nächsten Staatsanwaltschaft stellen.

So mit Begriffen wie Betrug, Urkundenfälschung und Meineid(?).

Dazu gleich den Antrag auf Aufhebung der Immunität fordern.

Nach einem fairen Prozess mit Urteil ist der Mann von der Merkel zu entlassen.

Dann wird es ihm nicht mehr nutzen, ein "Atlantiker" zu sein, der von Hochverrätern und Kollaboteuren nach seiner Young Leaders Ausbildung in den USA in seine politischen Stellungen gehievt wurde und deren Interessen gegen unser Volk vertritt.

Sowohl in Afghanistan als auch hier im Land mit der Abschaffung der Wehrpflicht.

Aufhängen, wenn hier keine Verurteilung erfolgt?



Parzival
01.03.11 um 15:52
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Kommentar 5

@Wut(3): Ich wollte damit nicht sagen, dass es sich nicht lohnt gegen ihn zu demonstrieren! Resultat ist ja jetzt zum Glück: dieser Heuchler ist zurückgetreten. Ich seh mich als einen der überzeugtesten Gegner Guttenbergs! Als Student weiss ich, wieviel Arbeit hinter so einer Arbeit steckt und wie viel Bammel man hat, sie nicht bestehen zu können. Das dieser Verräter sich da durchgeschummelt hat, treibt mir einfach nur die blanke Wut hoch! Die Guttenbergs "spenden" der Uni Bayreuth jährlich mehrere Millionen - wen wunderts da, dass die Arbeit so glatt durch die Kontrolle ging? Und dieses gegenseitige Niedermachen gehört zur Demokratie dazu. Und außerdem: besser ein Demokrat geht, als keiner, aber am besten alle!



Wut
01.03.11 um 19:24
antworten

Kommentar 6

@Parzival(5): Klar ist es gut, wenn so einer geht oder besser alle, aber wenn dir als Student das Ganze so nahe geht, dann bitte bei Gelegenheit zur Uni Bayreuth gereist und die Schuhe gezeigt denn dann müssen auch die Proffs bzw. alle die denen an der Doktorarbeit wegen Geld zählen, nichts aufgefallen ist auch Ihre Hüte nehmen bzw. abgeben, denn das hat mit der so hoch gepriesenen wissenschaftlichen Arbeit auch nichts zu tun! Aber das ist in solchen Kreisen natürlich normal wenn ich mehr über andere her falle schaut keiner mehr nach mir! Ich sag nur Herr Hartz, Zumwinckel etc. oder Volksverhetzer wie der Herr Tritt ihn!

Dass es sich nicht lohnt, wollte ich auch nicht sagen aber er wäre sicher auch ohne die Demo oder ohne den Beitrag hier zurückgetreten, was solls, nichts für ungut erledigt der Fall Guttenberg - erstmal!



spremberg.
01.03.11 um 20:54
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Kommentar 7

Laut Pressemeldung sollen 49 Prozent seiner Doktorarbeit abgeschrieben sein. Beachtlich, selbst für einen Musterdemokraten von seinem "Format".



Martin
01.03.11 um 21:19
antworten

Kommentar 8

@Wut(3): Viel verstanden hast Du im politischen Leben wohl noch nicht. Es ist natürlich immer irgendwie richtig und leicht, den Rücktritt der gesamten demokratischen Regierung zu fordern – nur eben auch unwahrscheinlich. Bei Guttenberg ergab sich die Möglichkeit. Der Aufhänger war da und durchaus für einen Rücktritt geeignet. Dazu kommt, dass eine breite Schicht im Volk dazu bereit und fähig war, mit unterschiedlichsten Mitteln dagegen zu protestieren, im Gegensatz zu den sonst üblichen politischen Kleinstgruppen oder Szenen, die es kaum schaffen die mediale Öffentlichkeit zu beeinflussen oder gar mit ihren Themen wahrgenommen zu werden. Warum also die Möglichkeit nicht nutzen? Weil alle anderen Demokraten auch (Volks-)Betrüger sind? Guttenberg war der beliebteste Demokrat in der Republik. Durch die Aufdeckung der Plagiate in seiner Dissertationsschrift, durch die Tatsache, dass er noch vor zwei Wochen abgebrüht in die Kamera log, hat der Glaube an den Vorzeigedemokraten - und damit auch der Glaube an das politische System - schaden genommen. Durch den Rücktritt wurde das noch verstärkt und die Menschen gleichzeitig motiviert, sich politisch zu engagieren. Glaubwürdigkeit aber ist notwendige Voraussetzung für die Autorität, ohne die kein Staat regieren kann. Erst dann, wenn der Glaube in das bestehende System zerstört ist, kann ein neuer Glaube entstehen. Darum war Guttenberg, die Möglichkeit seines Rücktritts, die Chance die Glaubwürdigkeit der demokratischen Ideologie herabzusetzen, soviel wichtiger als all die von Dir bevorzugten Gedenkmärsche - die ohnehin nur wenig, bis gar nichts im Bewusstsein der Menschen ändern und im Grunde auch überflüssig sind, würde man Dresden als Symbol für all die zerbombten Städte und die ungezählten Toten etablieren.



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