
Horst Köhler kennt das größte Problem des deutschen Hochschulwesens: Es sei "chronisch unterfinanziert". Bei den Demokraten herrscht schon seit jeher der Gedanke vor, Geldsack und Bildung würden untrennbar verbunden sein und man müsste nur jedem die Möglichkeit einräumen, genug lernen zu können, um so „Genies“ heranzüchten zu können.
Man glaubt, dass jeder die gleichen Möglichkeiten hätte – und hängt damit immer noch dem Marx-Gedanken an, dass der Mensch sozusagen wie ein leerer Sack auf die Welt käme und nur durch seine Umwelt etwas wird. Und je mehr leere Säcke man füllt, umso mehr Forscher und Erfinder hat man dann zur Verfügung! Dem gleichen Geist entspringt auch der dann logisch erscheinende Gedanke, die Geburtenarmut der Deutschen durch Zuwanderung auszugleichen – denn leerer Sack ist doch gleich leerer Sack – oder?
Leider liegt der Geldmensch Horst Köhler auch hier falsch, denn auch er glaubt ja daran, dass die Länder nur mehr Gelder bereitstellen müssten, damit der deutsche Forscher- und Erfindergeist wieder erwacht und die Unruhe unter den Studenten endlich aufhört. Aber dazu muss schon etwas mehr getan werden - vor allem muss man die Ursachen erkennen wollen.
Das hat auch ein Dr. Wilhelm Hartnacke getan und in seinen Werken Ursache und Wirkung beschrieben. In seinem Buch „Naturgrenzen geistiger Bildung“ (1930) setzte er die Schlussworte:
"Sinn und Zweck meines Buches ist es, das Augenmerk darauf zu richten, dass wir im Zuge sind, alles zu tun, um durch ein falsches und übersteigertes Schul- und Berechtigungswesen den geistigen Erbbestand unseres Volkes schwer zu schädigen und uns so von innen heraus zugrunde zu richten. Mögen die Verantwortlichen den Ruf hören und tun, was ihnen das Gewissen befiehlt. Mögen sie handeln als Führer, nicht als Abhängige von Massen und Organisationen."
Hartnacke hat schon damals die Quittung von den Demokraten bekommen, wurde angegriffen, verlacht und verhöhnt - und natürlich nicht angehört. Dabei hat er bereits vor über 70 Jahren das Problem festgestellt, dem man heute immer noch völlig hilflos gegenübersteht und schlimmer noch: die möglichen Lösungen kategorisch ausschließt.
Denn Dr. Wilhelm Hartnacke hat den Zusammenhang zwischen dem Beruf der Eltern und den Leistungen der Kinder nachgewiesen, Begabtenauslese gefordert und vor den Gefahren einer Negativauslese durch Geburtenarmut gewarnt - und was taten die Demokraten? Sie schlossen messerscharf, dass höhere Bildung mit dem Einkommen zusammenhängen muss. Die Besserverdienenden könnten ihren Kindern auch eine bessere Schulbildung ermöglichen - das Milieu also allein bestimmt, was aus den Kindern wird. Die Demokraten sind bis heute nicht schlauer geworden, der Hochschulbereich leidet eben unter einer "chronischen Unterfinanzierung".
08.12.09

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peter zwegert
09.12.09 um 01:32
antworten
Meiner Meinung nach hat der Verfasser hier einmal voll am Thema vorbeigeschossen, oder absichtlich die populistischere Variante gewählt.
Das wahre Kernproblem der Bildungspolitik ist der Bolognaprozess und die damit einhergehende gestige Nivellierung eines gesamten Kontinents. Dass sich dieses Konzept früher oder später als zum Scheitern verurteilter Nachhang der "alle Menschen sind gleich und haben somit gleiches intelektuelles poential" - Theorie der Demokraten entpuppen wird, ist für jeden offenbar.
Gerade im vorherschenden Spätkapitalismus, in dem sich Mittel- und Westeuropa zum Forschungsstandort entwickelt, müssten sogar die Herrn Demokraten, denen wirtschaftliches Wachstum offensichtlich als das Wichtigste gilt, eigentlich erkennen, dass intelektuelle Schaffenskrafft völkerspezifisch ist. Wobei immer mehr bspw. die Deutschen immer mehr technisch naturwissenschaftliche Geister hervorbrachten und die bspw. die Briten eher Geisteswissenschaftler.
Dass ein Einheitsnivau aller europäischen Völker da einen Rückschritt bedeuten muss liegt auf der Hand. So ist die Umsetzung in derart entweder auf Unverständnis der naturgesetzlichen Grundlagen oder auf strikte Ignoranz derselben zu schieben.
Klar unpassen ist meiner Meinung nach ein Zitat aus den 30er Jahren zum Thema Bildungspolitik, weil es total aus dem Kontext gerissen scheint.
"Sinn und Zweck meines Buches ist es, das Augenmerk darauf zu richten, dass wir im Zuge sind, alles zu tun, um durch ein falsches und übersteigertes Schul- und Berechtigungswesen den geistigen Erbbestand unseres Volkes schwer zu schädigen und uns so von innen heraus zugrunde zu richten."
WAS MEINT ER DENN MIT DEM ÜBERSTEIGERTEN SCHUL- UND BERECHTIGUNGSWESEN?
Das hört sich fast so an wie Köhler der mehr staatliche Fonds zur Unterstützung der nicht ans Abitur geknüpften Hochschullaufbahnen fordert. Oder? Das ist vielleicht Millieu-Theorie und sogar die fällt außer betracht, wenn man sich die zitierten Spitzenzahlen der länder mit Hochschulabsolvebten auf unkonventionellem Bildungsweg anschaut. (Berlin 2,99%, Hamburg 2,67%). Meiner Meinung nach eine nciht haltbare Aussage die hier getroffen wird.
Und wenn Köhler sagt "wir sind zehn Jahre nach Bologna nicht da, wo wir sein sollten" ist der oben genannte Trugschluss der Grund, nicht der hier suggerierte Gedanke der marxschen Millieu-Theorie.
Klar ist, dass den meisten Hochschulen wirklich Geld fehlt und zwar bei Lehrkräften, Infrastruktur und auch in der Forschung. Auch klar, dass viel an Hochschulen Lehrende in ihrem Lehramt nur eine leidige Bedingung für ihre subventionierte Forschung sehen. Da liegt das Problem. Und das liegt auch am Geld. Fortschritt bedeutet seit je her Investitionen.
Klar ist aber auch mir das mehr Millionen in der Bildung nicht automatisch auch mehr "genies" bedeutet. Aber auch hier wurde meiner Meinung nach falsch zitiert.
Hier mal die Welt zu Köhlers auftritt zum 600sten in der Leipziger Uni.
Helmut
09.12.09 um 08:45
antworten
So treffende Worte hat selten jemand in den Mund genommen, um die Bildungssituation zu beschreiben. Schade nur, das sie in dieser Demokratie höchstwahrscheinlich nie wieder zu hören werden sein, weil man sich davor fürchtet, dass nicht mehr jeder Dahergelaufene einen Führungsposten besetzen kann, weil er besonders gut auf seine Wähler eingeht, oder anders gesagt am einfachsten zu manipulieren ist. Doch noch größer ist die Furcht irgendwann für ihr Handeln die Verantwortung tragen zu müssen, für die sie sich schon jetzt fleißig entlohnen.
Doch es kommt der Tag, es kommt der Tag, die Zeit ist nicht mehr fern, da werden alle hohen Herrn ...
Heiko
09.12.09 um 12:43
antworten
Ich finde die Erkenntnise aus dem Artikel weitaus wichtiger. Der Artikel umschreibt die Ursachen der derzeitigen Bildungskrise ziemlich treffend. Dass sich dazu noch stetiger Geldmangel gesellt, zeigt doch, dass selbst wenn man erstere Probleme beseitigen wollte, man noch immer am chronischen Geldmangel der Demokraten scheitern muss.
Unser Staat ist ein einziges Abrisshaus. Egal welchen Bereich man sich ansieht, er ist marode und stinkt. Hier wäre ein Neubau nicht nur gründlicher, sondern auch schneller und sauberer durchzuführen. Wer packt mit an?