Exportweltmeister

Exportweltmeister

Wenn es darum ging, mit Sicht auf die wirtschaftliche Lage Deutschlands einen Nachweis für den "Erfolg" ihrer Politik zu präsentieren, dann gab es in den Jahren von 2003 bis 2009 kaum ein Begriff, der die demokratische Brust mehr vor Stolz anschwellen ließ als den des "Exportweltmeisters".

Dass die gewinnträchtige Bezeichnung "Made in Germany" durch den zunehmend stärker werdenden Import von billig gefertigten Vorprodukten aus ausländischen Produktionsstätten mehr und mehr zum Etikettenschwindel mutierte, wurde gern außer Acht gelassen.

Nun, mittlerweile hat es sich "ausgeweltmeistert" - der deutsche Güterexport erlitt im Jahre 2009 den größten Rückschlag seit Bestehen der BRD und China übernahm infolge dessen die Spitze.

Als im Januar 2010 die Ausfuhren entgegen aller Prognosen wiederum um 6,3 Prozent schrumpften, rätselten "Experten" um die Wette. Die Begründungen reichten von ominösen "Sondereffekten" bis hin zu einem möglicherweise verzerrten Ergebnis durch das "kalte Winterwetter".

War ein starker Export aus Sicht der Demokraten jahrelang repräsentativ für das Funktionieren ihrer Politik, durfte es im Gegenzug allerdings auf gar keinen Fall bedeuten, dass sich die weltweite Finanzkrise und die mit ihr einhergehende eingebrochene Güterausfuhr der "Exportnation" Deutschland als Anzeichen für den Trugschluss darstellt, ihr gekünsteltes, auf unbegrenztem Wachstum basierendes System könne in alle Ewigkeit aufrecht erhalten werden.

Allmählich hat sich die Stimmung "gebessert", der durch den langsam beginnenden Zerfall ihrer liberal-kapitalistischen Ordnung bedingte Pessimismus wurde durch einen staatlich verordneten Optimismus ersetzt. Wer das boomende Wachstum lediglich im Fernsehen statt in der eigenen Brieftasche wahrnimmt, ist sicherlich selber dran schuld. Die Chinesen sind zwar immer noch Weltmeister, aber dafür hat die deutsche Wirtschaft ein Gebiet entdeckt, in dem auch das Exportieren wieder meisterlich von der Hand geht: der Export von Arbeitsplätzen!

Allein im vergangenen Jahr haben die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen insgesamt 11.626 Arbeitsplätze im Inland abgebaut, während sie im gleichen Zeitraum 31.771 Stellen im Ausland schufen. Noch dramatischer gestaltet sich die Betrachtung der letzten vier Jahre. So fielen seit 2007 hierzulande insgesamt mehr als 80.000 Stellen dem Rationalisierungswahn der 30 DAX-Konzerne zum Opfer, während sie in ihren Auslandsstandorten rund 120.000 neue errichteten, wobei anzunehmen ist, dass der Bärenanteil auf Billiglohnländer fällt.

Erinnert ihr euch in diesem Zusammenhang an die gebetsmühlenartigen Versprechungen der Demokraten, welche sich in regelmäßigen Zyklen das Thema Arbeitsplatzschaffung und Beschäftigungssicherung auf die Wahlkampffahnen schreiben oder die euphorisch klingenden Worte, welche von CDU, CSU und FDP im aktuellen Koalitionsvertrag zur 17. Legislaturperiode den Deutschen aufgetischt wurden? In diesem heißt es unter anderem:

"Wir werden drittens in der schwierigen Phase, in der der Arbeitsmarkt, die Unternehmen und die Banken noch die unmittelbaren Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu verkraften haben, Beschäftigung sichern und den Unternehmen Hilfe bei der Finanzierung insbesondere ihrer Investitionen bereitstellen."

Über mangelnde Finanzierungshilfen brauchen sich Banken und Unternehmen mit Sicherheit nicht beklagen, doch was nützt das alles dem deutschen Arbeiter, der zwar augenscheinlich dank Konjunkturprogramm und Kurzarbeit durch die Krise geschliffen wird, dann aber auf einmal doch vor verschlossenen Werkstoren steht, da sein Unternehmen nie wirkliches Interesse daran hatte, seinen Arbeitsplatz langfristig zu sichern - immerhin tragen staatlich subventionierte Investitionen in Niedriglohnländer dem Ziel der zinsgetriebenen Gewinnmaximierung doch viel schneller Rechnung.

Als Bestandteil ihrer kapitalistischen Ordnung wird er auf seine Arbeitskraft reduziert. Er wird zum Produktionsfaktor degradiert, zum Element eines betriebswirtschaftlichen Gesamtgefüges, dessen Kosten es zu senken gilt, um die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens zu wahren. Zum anderen trägt er den Status des Absatzgaranten, dem künstliche Bedürfnisse eingetrichtert werden und dem die individuelle Selbstverwirklichung als Maß aller Dinge gepriesen wird, um somit als seelenloser Konsument den internationalen Großkonzernen als Motor zur Erfüllung ihres Wachstumszwanges zu dienen.

10.02.11

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Kommentare

Krisenwunder
11.02.11 um 08:01
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Kommentar 1

Traurig aber wahr! Aber wie schon im Fernsehblog beschrieben: Sie kapieren es nicht... es ist zum Verzweifeln!



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