
Mit Hamburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin standen 2011 in insgesamt sieben Bundesländern Wahlen zum Landesparlament an. Bei insgesamt fünf hieß es im Anschluss für die FDP "Koffer packen". In Baden-Württemberg lag man mit 5,3 Prozent zwar knapp über der für den Wiedereinzug kritischen Fünfprozenthürde, musste sich allerdings mit dem Verlust von insgesamt 8 von 15 Mandaten abfinden.
Propagandierte die FDP im Bundestagswahlkampf 2002 noch großspurig 18 Prozent aller Stimmen für sich gewinnen zu wollen, reichte es bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl vor knapp zwei Wochen gerade mal für 1,8 Prozent, was immerhin in etwa dem Ergebnis der Tierschutzpartei entspricht.
Auch auf Bundesebene sieht es für Rösler und Co. alles andere als rosig aus. Wären am Sonntag Wahlen, müssten "die Gelben" mit jämmerlichen vier Prozent ihre Parlamentssessel im Bundestag räumen. Doch wer jetzt denkt, der Niedergang der FDP hinge mit dem konsequenten Versagen ihrer Mitglieder zusammen, der irrt zumindest in den Augen des Frankfurter FDP-Kreisvorsitzenden Dirk Pfeil.
Nicht die zum Markenzeichen der FDP gewordenen Klientelpolitik zugunsten der Parteispendenkasse führte zum Verlust jeglicher Wählerschaft, nicht die Ernennung eines südvietnamesischen Waisenkindes zum Wirtschaftsminister und Vizekanzler, nicht ein sich international zum Gespött machender Außenminister oder die Häufung der unter Plagiatsverdacht stehenden "Doktoren" in den eigenen Reihen beschleunigten den Kurs zum Status einer Splitterpartei - es ist die Dummheit der Deutschen, unter der nach Ansicht Pfeils die Partei zu leiden hat.
In einem Interview mit der Frankfurter Neuen Presse äußerte sich Pfeil folgendermaßen:
Die FDP hat das [Skeptik gegenüber dem Euro-Rettungsschirm] im Wahlkampf in Berlin thematisiert, aber gebracht hat das nichts. Warum?
PFEIL: Es ist schlimm, dass die Mehrheit der Bevölkerung keine politische Bildung genossen hat. Die Masse ist meinungslos, sprachlos.
Also sind die Wähler zu ungebildet, um die Botschaft der FDP zu verstehen?
PFEIL: Die Masse ja. Deswegen werden wir nie eine Volkspartei. Liberal zu sein, ist keine Massenmeinung.
Mittlerweile mutmaßt man sogar, dass in den von den Sozis regierten Ländern die Ausgaben für Bildungspolitik bewusst gering gehalten werden, um den Stimmenverlust der FDP zu beschleunigen.
Es ist schon ein bisschen schade, dass die Liberalen in absehbarer Zeit mehr oder weniger ganz von der politischen Bildfläche verschwinden werden, denn selbst wenn es mit dem "Politik machen" nicht so recht klappen wollte, zur allgemeinen Belustigung waren sie den anderen Parteien immer ein Stück weit voraus.
Doch wenn sich der potenzielle Wähler selbst von der offensivsten Wahlwerbung nicht mehr zum Denken animieren lassen will, dann ist die Zeit wohl reif, um Lebewohl zu sagen...
28.09.11

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willi
29.09.11 um 09:21
antworten
Der kausale Zusammenhang zwischen Unwissen der Bevölkerung in politischen Sachverhalten und dem niedrigen Wahlergebniss der FDP ist natürlich lächerlich, die Hauptaussage, dass weite Teile des Volkes (sowie die meisten "Politiker") nur wenig politische Bildung besitzen ist aber richtig. Genau das ist ja unter anderem eine Schwachstelle des demokratischen Systems!
Björn
29.09.11 um 10:34
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@willi(1): Das ist eher der zentrale Punkt, auf dem das System basiert und "dank" dem es überhaupt noch existiert.
Fritz
29.09.11 um 18:13
antworten
@Björn(2): So sieht es aus. Wer mal mit der super "Bildungselite" von deutschen Gymnasien geredet hat, dem bleibt die Spucke weg. Entweder gar keine Ahnung oder schön blöd das nachplappern, was die Tante von der Tagesschau oder bei RTL 2 News erzählt...
Das kaum einer sich wirklich Gedanken macht, sieht man auch daran, dass im Moment jeder genüsslich im Alltagstrott versinkt, an Stelle sich langsam auf den lang herbeigesehnten Kollaps des Zinssystems vorzubereiten...