Dramatischer Aufruf der Kanzlerin: Es geht um "unsere Werte"!

Dramatischer Aufruf der Kanzlerin: Es geht um unsere Werte!

In einem "dramatischen Aufruf zur Geschlossenheit" warnte Kanzlerin Merkel gestern bei der Verleihung des Karlspreises an den polnischen Ministerpräsidenten Tusk vor dem Ende des Euros:

"Die Krise um die Zukunft des Euro ist nicht irgendeine Krise. Sie ist die größte Bewährungsprobe, die Europa seit 1990, wenn nicht sogar in den 53 Jahren seit Verabschiedung der Römischen Verträge, zu bestehen hat. Diese Bewährungsprobe ist existenziell. Sie muss bestanden werden. Gelingt das nicht, dann sind die Folgen für Europa und darüber hinaus unabsehbar."

Der Euro stünde für die "Europäische Idee", und dafür, dass die Regierungen den Menschen "Stabilität des Euro und Stabilität der Preise versprochen" haben. Die Gründe, warum es dann doch nicht so lief, sollen aber erstmal vergessen werden:

"Vergessen wir für einen Moment all die Rettungspakete, die wir in diesen Wochen beraten und verabschieden, vergessen wir für einen Moment all die Milliardensummen, die zurzeit die Diskussion beherrschen – 20, 40, 100, 400, 700 Milliarden. Vergessen wir Börsenkurse und Ratingagenturen. Vergessen wir für einen Moment die Diskussion um Auslöser und Ursache dieser Krise."

Denn was wir dann klar vor unseren Augen sehen, ist:

"Scheitert der Euro, dann scheitert nicht nur das Geld. Dann scheitert mehr. Dann scheitert Europa, dann scheitert die Idee der europäischen Einigung."

So schustern sich Ideologen ihre Ideologie zusammen:

"Am Ende geht es um unsere Werte und Grundsätze: Demokratie, Wahrung der Menschenrechte, nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum, eine stabile Währung, sozialer Frieden. Das 21. Jahrhundert kann Europas Jahrhundert werden."

Die "Werte", von denen Merkel sprach und um die es nun geht, sind also die, die "Stimmen" des Volkes zu sammeln, wenn es darum geht, wieder die Wahl einer Lizenzpartei zur Regierung durchzuführen, die dann durch das "Volk" legitimiert Verträge unterzeichnet, deren Inhalt sie nicht genau gelesen hat? Durch die Beeinflussung der Massen zu garantieren, dass auch das gewünschte Ergebnis erzielt wird und im Zweifel solange abstimmen zu lassen, bis das gewünschte Ergebnis "vom Volk gewollt" wird?

Die "Werte", von denen Merkel sprach und um die es nun geht, sind also die, Menschen in geheimen Folterlagern zu misshandeln und zu Aussagen zu bewegen, die den Erwartungen ihrer Folterer entsprechen – und das am Ende alles noch höchst offiziell zu dulden und gutzuheißen? Menschen, die außerhalb der demokratischen Ideologie nach einer Zukunft suchen, um das Überleben ihres Volkes zu sichern, zu verfolgen und zu inhaftieren? Mit haltlosen Debatten auf den Rücken geschändeter Kinder eine Zensurinfrastruktur zu installieren?

Die "Werte", von denen Merkel sprach und um die es nun geht, sind also die, ein "nachhaltiges Wachstum" zu garantieren, in dem man Menschen zu Humankapital degradiert, die von einem Standort zum nächsten manövriert werden und im Zuge der ständigen wachstumsbedingten Rationalisierungen als erste von der Optimierungsliste gestrichen werden? Einen Niedriglohnsektor in Europa zu etablieren, um steigende Zinslasten zugunsten derer bedienen zu können, die noch nie etwas geschaffen haben?

Die "Werte", von denen Merkel sprach und um die es nun geht, sind also die, soziale Brennpunkte in den europäischen Großstätten zu errichten, in welche sich kein Polizist mehr hinein wagt, aus denen die angestammte Bevölkerung flieht und in denen sich Parallelgesellschaften entwickelten, die jenseits genau der Normen liegen, um die es hier nun gehen soll?

Also, um ehrlich zu sein, kann uns gar nicht so viel Schlimmeres passieren, als dass diese "Werte", die ja im Grunde gar keine sind, erhalten bleiben.

14.05.10

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