Die Schweine sind noch unter uns!

Die Schweine sind noch unter uns!

Auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer leben die Systemträger der DDR, die hier unsere Elterngeneration unterdrückten, weiter unter uns, bekleiden wieder öffentliche Ämter und haben nichts zu befürchten. Im Gegenteil ziehen sie auch heute noch Vorteile aus ihren damaligen Positionen, verharmlosen und verdrängen, und versuchen mit wachsender Aggressivität, ihren mehr als 40 Jahre bestehenden Besatzungsapparat wieder hoffähig zu machen.

Vor allem hier bei uns, in Brandenburg, arbeiten viele der inoffiziellen Mitarbeiter von einst in öffentlichen Ämtern. Doch trotz dessen, oder gerade deswegen, gibt es bis heute keinen Stasi-Landesbeauftragten. Dabei zeigen die vergangenen Monate, wie sehr sich die Schweine von einst mit dem ehemaligen Klassenfeind arrangiert haben.

So wurde erst im November des vergangenen Jahres die Stasi-Tätigkeit des Bürgermeisters von Friesack, Werner Töpfer, bekannt. Kurz darauf musste sich im Havelland der Bürgermeister von Milow, Peter Wittstock, einem Abwahlverfahren stellen – seine Stasi-Akte füllte 635 Seiten. In Kleinmachnow, der Heimatgemeinde Schönbohms, wurde Klaus Nitzsche, Vorsitzende der Gemeindevertretung, enttarnt, der rund 10 Jahre mit dem MfS zusammenarbeitete. Und in Welzow flog Bürgermeister Reiner Jestel auf, als er seinen Stellvertreter mittels der Stasi-Überprüfung aus dem Amt hebeln wollte.

Nun musste auch der Stadtverordnete Günter Seifert einräumen, Aufträge des MfS ausgeführt zu haben. Nach der Enttarnung Jestels wurde in Welzow ein Sonderausschuss gebildet, um alle Stadtverordneten prüfen zu lassen. Dieser Überprüfung hatte sich Seifert als Einziger verweigert und mit juristischen Schritten gedroht.

„Ich habe nicht mehr Schuld auf meine Schultern geladen, als andere DDR-Bürger auch, die in der SED waren“.

Um sicher zu gehen, will er aber lieber keine Angaben über Zeitraum und Art seiner Spitzeldienste machen und abwarten, was die Stasi-Unterlagen-Behörde über ihn herausfindet.

„Das geht niemanden etwas an.“

Darum sieht er auch nicht ein, warum er sein Mandat niederlegen soll. Dabei war noch in Februar für Seifert „nur die Abwahl“ seines Spitzelkollegen Jestel ein gangbarer Weg, nachdem dessen 8-jährige Stasi-Tätigkeit öffentlich wurde.

Im Herbst 1989 umfasste der Staatssicherheitsdienst über 270.000 hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter - mehr als die Bundeswehr heute Soldaten hat.

Während bei vielen heute oft der Eindruck besteht, Typen wie Seifert oder Jestel hätten nur ein paar harmlose Gespräche geführt, spielten sie im Überwachungsstaat der DDR eine wichtige Schlüsselrolle. Mit geradezu wissenschaftlichen Methoden, die an der Stasi-Hochschule in Potsdam gelehrt wurden, rekrutierte und lenkte der Staatssicherheitsdienst das riesige Heer seiner inoffiziellen Mitarbeiter. Viele erhielten spezielle Aufträge zur Informationsbeschaffung und erstatteten ihren Führungsoffizieren regelmäßig Bericht. In unzähligen Fällen lieferten sie – aus schlichtem Eigennutz – Freunde und Bekannte ans Messer. Für einen Großteil der Verhaftungen und Repressalien waren sie deshalb direkt verantwortlich.

Die Methode, die Seifert nun anwendet, wenn er behauptet, nicht mehr Schuld als andere DDR-Bürger geladen zu haben, ist die gleiche, mit der jeder seiner aufgeflogenen Vorgänger versuchte, seine Taten zu rechtfertigen: durch Verharmlosen und Verdrängen! Wer sich anpasste in der DDR, konnte das Abitur ablegen, studieren, Karriere machen, als Ingenieur oder in einem Amt im Staatsapparat und bekommt dafür heute eine satte Pension. Wer sich jedoch gegen den Willkür-Apparat auflehnte, durfte nicht studieren, bekam keine gute Arbeit, endete unter Umständen in Haft – mit Folgen bis ins Alter.

So hat eine täterfreundliche Rechtsprechung und Gesetzgebung bewirkt, dass man in Deutschland eine höhere Rente bekommt, wenn man zehn Jahre im Zuchthaus Bautzen als Wärter Dienst tat, als wenn man dort 20 Jahre in Haft saß.

14.04.09

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Kommentare

gnom
15.04.09 um 12:49
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Kommentar 1

Wer früher schon für die Stasi geschnüffelt hat, kann den Demokraten doch nur nützlich sein. Gleich und gleich gesellt sich gern, vor allem bei Charakterlosigkeit und Machtgier.
Wes' Brot ich ess - des' Lied ich sing... pfui teufel!



jaja
15.04.09 um 13:29
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Kommentar 2

Die Mauer fiel, das System blieb. Nichts Neues in der BRD.



Meinhardt
15.04.09 um 14:27
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Kommentar 3

Schweine wie diese, die heute ihr Spitzelunwesen fortsetzen und wieder denken sich dadurch einige "Oboluse" zu verdienen, Volksgenossen, Freunde und Familien zu verraten werden irgendwann in ihr eigenes Fettnäpfen treten.

Uns sollte das aber aufzeigen das der Apparat - DDR BRD=BRD weiß das seine existenzielle Lage gefährdet ist und die Demokraten wieder die gleichen Mittel anwenden, um ein Volk mundtot zu machen.

Ohne uns, ihr Schweine!



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