Der Drogerie-Discounter SCHLECKER wirbt auf seiner Netzseite mit seiner marktführenden Stellung unter den Drogeriemärkten. Ein Bekanntheitsgrad von 95 Prozent in der Bevölkerung und ein Sympathiewert von 43 Prozent befördern die Marke nach eigenen Angaben unangefochten an die Spitze der Drogerie-Branche. Interessanter an dieser Stelle dürfte hingegen die Frage sein, ob sich die Marke SCHLECKER mit einem ähnlichen Sympathiewert brüsten könnte, würde man diesen nicht von den Kunden, sondern von der Zufriedenheit der eigenen Angestellten abhängig machen.
Bereits im letzten Jahr wurde öffentlich, dass der Drogerie-Discounter neben seiner bundesweiten Flächenpräsenz und einer weitreichenden Produktpalette, vor allem in einer eiskalten Angestellten- und Lohnpolitik den Schlüssel zum Erfolg gefunden hat. Insgesamt wurden 2009 rund 800 kleinere SCHLECKER-Filialen geschlossen und durch größere XL-Märkte ersetzt. Die Schließung der Filialen brachte auch die Kündigung eines Großteils der in ihnen beschäftigten Belegschaft mit sich. Doch da sich auch in den neuen XL-Märkten die Ware nicht von allein verkauft, bot man den ehemaligen Angestellten an, in den neuen Märkten tätig zu werden, diesmal jedoch nicht direkt für SCHLECKER – das Unternehmen ist laut einem Gerichtsurteil zur Zahlung von zwölf Euro Tariflohn verpflichtet - sondern für die eigens gegründete Zeitarbeitsfirma "Meniar" und zu einem Gehalt, welches bis zu 50 Prozent unterhalb des bis dahin erhaltenen Tariflohns liegt.
SCHLECKER ist nur eines von vielen Beispielen, aus denen hervor geht, mit welchen Mitteln international agierende Konzerne sich auf Kosten der eigenen Belegschaft bereichern. Es ist bekannt, dass ähnliche "Geschäftsmethoden" unter anderem auch bei der Post sowie der Bahn Anwendung finden. Immer mehr Konzerne nutzen das Prinzip der Zeitarbeit, um bestehende Tarifvereinbarungen zu umgehen und somit die Löhne des Kostenblocks "Personal" an und auch unter die Grenze zum Existenzminimum drücken zu können.
Laut aktuellen Untersuchungen des "Instituts Arbeit und Qualifikation" (IAQ) erhalten bundesweit mittlerweile 20 Prozent aller Beschäftigten einen Stundenlohn unterhalb der Niedriglohnschwelle. Im Jahre 2007 waren insgesamt 6,5 Millionen Menschen im Niedriglohnsektor beschäftigt, welcher seit Mitte der 90er Jahre stetig wächst und vom ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder als "einer der Besten in ganz Europa" präsentiert wurde.
Ob Schröder wohl in einer ebenso arroganten, wie widerwärtigen Art das Schicksal von Millionen als Erfolg seiner Amtszeit gewertet hätte, wenn er statt seines Jahresgehalts von 226.000 Euro zuzüglich rund 22.000 Euro beamtenrechtlicher Zuschläge mit den 3,18 Euro pro Stunde nach Hause gegangen wäre, mit denen sich zum Beispiel eine Friseurin der untersten Tarifgruppe in Thüringen zufriedengeben muss?
Die Gefahr, sich trotz Arbeit auf einmal am Rande der Armut wiederzufinden, besteht längst nicht nur für Ungelernte. In der Regel können vier von fünf der Niedriglohnbeschäftigten eine Qualifikation vorweisen, 70 Prozent haben eine Berufsausbildung und 8,4 Prozent sogar einen Fachhochschul- bzw. Hochschulabschluss.
Neben dem Trend zum "Lohndumping" hat sich in Deutschland in den letzten Jahren auch ein deutlicher Trend zur Vergabe von befristeten Arbeitsverträgen abgezeichnet. Im ersten Halbjahr 2009 erwarteten 47 Prozent aller Berufsneueinsteiger zeitlich begrenzte Verträge. Insgesamt ist jeder zehnte Arbeitnehmer lediglich befristet angestellt, bei den 20 bis 25 Jährigen sogar jeder vierte.
Das "Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung" (DIW) spricht unterdessen von dramatischen Spätfolgen, welche sich aus der großen Anzahl befristeter Verträge und der daraus resultierenden lückenhaften Erwerbsbiografien ergeben. Insbesondere im Hinblick auf gesetzliche Rentenansprüche werden diese bei vielen Arbeitnehmern nahe oder sogar unterhalb der Grundsicherung von 600 Euro liegen. Es scheint, dass das Einzige, was nach 60 Jahren Demokratie an den Renten noch als sicher erachtet werden kann, die Gewissheit ist, dass diese nicht zum Leben reichen.
Und die Demokraten tun alles in ihrer Macht Stehende, um diesen Vorgang so rasant wie möglich zu beschleunigen. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU, FDP zur siebzehnten Legislaturperiode:
"Wir werden die Möglichkeit einer Befristung von Arbeitsverträgen so umgestalten, dass die sachgrundlose Befristung nach einer Wartezeit von einem Jahr auch dann möglich wird, wenn mit demselben Arbeitgeber bereits zuvor ein Arbeitsverhältnis bestanden hat."
Anstatt dieser Entwicklung entgegenzusteuern, um somit eine arbeitsrechtliche Grundlage zu schaffen, die den Beschäftigten berufliche Sicherheit gibt und es gerade den Jüngeren unter ihnen ermöglicht, einen stärkeren Fokus auf eine mögliche Familienplanung zu legen, welche die Basis zur existenziellen Sicherung unseres Volkes bildet, streben die Demokraten genau das Gegenteil an und erklären völlig unverhohlen die Lockerung gesetzlicher Regelungen zum Bestandteil ihres Regierungsprogramms.
So wurde letzte Woche bekannt, dass Arbeitsministerin Ursula von der Leyen bereits einen Gesetzesentwurf in Vorbereitung gegeben hat, der die Befristung von Arbeitsverträgen deutlich vereinfacht und somit den Kündigungsschutz für Arbeitnehmer weiter aushöhlen wird. Von der Leyen, welche selbst jahrelang das Amt der Familienministerin bekleiden durfte, trägt in ihrer neuen Position nun aktiv zum Zerfall der traditionellen Familie und somit zur katastrophalen demografischen Entwicklung bei. Natürlich ist mit einer Umsetzung jedoch erst nach der Landtagswahl in NRW im Mai zu rechnen.
Vor diesem Hintergrund ist es einfach nur noch lächerlich, dass sich die gleiche Ministerin diese Woche mit einer Forderung nach einer gesetzlichen Begrenzung der Leiharbeit als die Mutter aller Arbeitnehmerinteressen ins mediale Rampenlicht setzt.
In den letzten 20 Jahren hat sich in Deutschland ein Arbeitsmarkt entwickelt, der lediglich im Zeichen der Profitmaximierung einiger weniger Großkonzern steht und das Volk einzig als Humankapital betrachtet. Systematisch wird dem Deutschen suggeriert, statt an Familie und Heimat müsse man sein Leben an Wirtschaftsstandorten ausrichten, will man nicht in einem Heer von Alg2-Empfängern am Rande einer Plattenbausiedlung untergehen. Die Gründung einer Familie, das Aufziehen von Kindern und somit die Besinnung auf das Wesentliche eines jeden Daseins – der Sicherung der Existenz des eigenen Volkes - steht dem Drang nach maximaler Flexibilität im Wege.
Der Mensch wird somit in zweierlei Maß zum Träger der hiesigen, liberal-kapitalistischen Wirtschaftsordnung gemacht. Er wird zum einen als Produktionsfaktor gehandhabt, als Element eines betriebswirtschaftlichen Gesamtgefüges, dessen Kosten es zu senken gilt, um die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens zu wahren. Zum anderen trägt er den Status des Absatzgaranten, dem künstliche Bedürfnisse eingetrichtert werden und dem die individuelle Selbstverwirklichung als Maß aller Dinge gepriesen wird, um somit als seelenloser Konsument den internationalen Großkonzernen als Motor zur Erfüllung ihres zinsgetriebenen Wachstumszwanges zu dienen.
25.03.10

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moT
25.03.10 um 07:53
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Geschäfsführer der Meniar- Bande ist ein gewisser Alois Over, ein früherer Mitarbeiter von Schlecker. Die Vorstellung dass am Ende wir alle dafür zahlen müssen, das Schlecker ihrern 5 Milliarden Umsatz wieder gerecht wird ist untragbar. Ein Gewerkschaftsführer brachte es auf den Punkt: "Dies ist kriminell." Ja davon wird auch kein Verbrecher geschnappt...
Rurik
25.03.10 um 23:26
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Heute kam im brd-Fernsehen ein Bericht über die unverschämte Behandlung von ALDI-Mitarbeitern. - Ja. - Und? - Schön drüber berichtet zu haben - wir sind ja sowas von kriiiitisch im öffentlich rechtlichen Verblödungs-TV! - Die Konsequenz? - Alles wird gut? - Nein! Morgen geht die Scheiße genau so weiter! Aber man hat ja wenigstens kriiiitisch berichtet! - Und in der nächsten Sendung gibt es wieder einen Bericht über böse Neo-Nazis. Da freut sich auch der mißhandelte ALDI-Mitarbeiter, denn dann weiß er wieder wo der Feind steht!
brd beerdigen!
Ein herzlicher Gruß an die Schriftleitung! Weiter so!
Heiko
26.03.10 um 09:17
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Ich kenne ein Mädchen, das arbeitet bei einem Plus-Markt, hat einen offiziellen 6-Stunden Vertrag, geht jedoch jeden Tag mindestens 9 - 10 Stunden arbeiten. Sie bekommt natürlich nur die 6 Stunden bezahlt, lebt somit finanziell auf untersten Niveau.
Ich denke, solche Sachen sollte man einfach veröffentlichen, vielleicht mal mit 10 bis 20 Mann einen solchen Markt besuchen und darüber aufklären.
Ändern wird sich jedoch erst etwas, wenn wir dieses Immer-Billiger endlich ablegen und erkennen, dass auch unser eigenes Kaufverhalten dafür verantwortlich ist.
Lieber lokal erzeugte Produkte kaufen, damit das Geld vor Ort bleibt. Lieber selbst Lebensmittel erzeugen, Erfahrungen sammeln, sich unabhängiger machen, Lebensmittel mit anderen Erzeugern austauschen und so kleine Gemeinschaften bilden.