Die Demokratie beherrscht heute einen Großteil aller Staaten und wird von ihren Vertretern als unantastbar dargestellt. Erst im April des Jahres erklärte Polizeischutzbereichsleiter (LDS) Preuß in einem Artikel der Lausitzer Rundschau, dass es im Süden Brandenburgs Leute gäbe, die die Demokratie öffentlich infrage stellen, um später anzudeuten, wie diese unter Druck gesetzt und zur "Einsicht" bewegt werden sollen. Auch in den Reihen des Widerstands wird oftmals die Position vertreten, sich selbst als den "echten" Demokraten, die anderen als die "falschen" darzustellen, um den Deutschen die trügerische Ansicht zu vermitteln, die Demokratie sei, würde man sie "anders machen", ein makelloses, heiliges System. Höchste Zeit also, sich einmal mit dem Entstehen und Wirken der Demokratie über die Jahrhunderte auseinanderzusetzen.
Die Stellung Roms an der Spitze des italienischen Nationalstaates war zur Zeit des Zusammenbruchs von Athen unerschüttert. In der Entwicklung der beiden Mächte gab es bis zu den Punischen Kriegen auch gewisse Übereinstimmungen. Dort wie hier erweiterte die Geldwirtschaft die Kluft zwischen den "Wenigen" und den "Vielen". Die wirtschaftlichen und sozialen Gegensätze wurden größer und erbitterter. In Athen führten sie zur "reinen" Demokratie; in Rom aber zur extremen Plutokratie und Oligarchie. (Herrschaft des Geldes und Herrschaft der Wenigen)
Dabei jedoch gingen die alten Römer erheblich schlauer als die Griechen vor. In den Jahrhunderten zuvor war durch die römische Geschichte ein noch gesundes Verhältnis zur Demokratie ergangen. Die langen Kriege gegen die Volsker, Aequer, Etrusker und Gallier, Samniten, und Pyrrhos schlangen ein starkes Band um die Patrizier und Plebejer. (Geburtsadel und Nichtadel) Sie ließen die Standesunterschiede zurücktreten und die Sonderinteressen vergessen. Einzelne plebejische Feldherren und Konsuln taten sich hervor und ihre Namen waren in aller Munde.
Allmählich wurden sämtliche hohen Ämter den Nichtadeligen zugänglich; alle Vorrechte des Geburtsadels schwanden. Nachdem die Plebejer schon in fünf Jahrhunderten die persönlichen Freiheiten und Rechte (iura privata) erlangt hatten, kamen nach und nach alle öffentlichen (iura publica) hinzu. Auch war man bis in die 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts freigiebig mit der Erteilung des Bürgerrechts an die Bundesgenossen.
Für die Volksversammlung trat nach dem 1. Punischen Krieg eine neue Stimmordnung ein, wonach das alte Übergewicht der ersten Wählerklasse über die vier anderen beseitigt wurde. Seit dem galt es als ziemlich gleichgültig, ob man Patrizier oder Plebejer war. Dieses souveräne Volk hatte die wichtigsten Befugnisse in den Händen: Die Wahl der höchsten Beamten und damit die Zusammensetzung des Senates, die höchste Gerichtsbarkeit und die Entscheidung über Krieg und Frieden.
Aber tatsächlich und praktisch sah die Wirklichkeit ganz anders aus. Es ist als großes Glück zu bezeichnen, dass während der Not des 2. Punischen Krieges gegen Hannibal die demokratische Bewegung zum Stillstand kam. Denn gerade dadurch wurde Rom vor dem entsetzlichen Schicksal Athens bewahrt. Während in Athen, neben der von Demagogen geleiteten Volksversammlung, die Beamten und der „Rat“ alle Bedeutung verloren, wuchs umgekehrt in Rom die Macht des Senats, aus dem die Beamten hervorgingen und in den sie zurückkehrten. So schien sich ein gesundes Gleichgewicht und ein harmonisches Verhältnis zu entwickeln. Nach der entsetzlichen Niederlage Kannä war es der Senat, der den Staat rettete und den langen Krieg zu einem glücklichen Ende führte, ohne sich durch die schwersten Unglücksschläge erschüttern zu lassen.
Aber schnell folgte die Zersetzung. Es begann das Zeitalter der Lüge, wie für die äußere, so auch für die innere Geschichte der Römer. In der Form blieben die demokratischen Einrichtungen bestehen und das "souveräne" Volk bildete die höchste Instanz. Aber Wesen und Inhalt der Verfassung wurden von Grund auf geändert. Scheinbar war das Volk souverän, aber tatsächlich herrschte das Geld.
Gewissenhaft hielt man an der äußeren Staatsform fest, aber mit den Mitteln des Geldes setze der neue Geldadel seinen Willen durch. Die Zahl der Proletarier, die weiter nichts besaßen als ihre Wählerstimme, wuchs in Rom in die Hunderttausende. So verkauften sie ihre Stimme dem, der am meisten bot. Bestechung und Stimmenkauf waren bei den jährlichen Wahlen trotz aller Verbote an der Tagesordnung. Zahlreiche Proletarier traten in ein dauerndes Klientenverhältnis und ließen sich für ihre Stimme füttern. Durch großartige Spiele und Belustigungen, durch reiche Schenkungen suchte man die Masse bei Laune zu halten. Mitglieder des Geldadels, deren Verbrechen offenkundig wurden, sprach man infolge von Bestechungen frei. Volkstribunen wurden mit Geld gewonnen, die dann durch ihr "Veto" gefährliche Abstimmungen verhinderten. Die öffentliche Meinung wurde künstlich gelenkt.
Aber die Plutokratie grub sich ihr Grab auch selbst. Die Geldoligarchie trieb Raubbau am römischen Staat und verstopfte selbst die Quellen seines Reichtums. Die außeritalienischen Provinzen wurden immer ärmer. Die Landwirtschaft wurde vernachlässigt, der Ackerbau durch Vieh- und Plantagenwirtschaft verdrängt. Allmählich schien jede körperliche Arbeit eines freien Mannes unwürdig. Der tüchtige Bauernstand verschwand dahin. So aber wurde der schlimmste Raubbau am italienischen Volkstum getrieben.
Es war geradezu ein Selbstmord. In größter Verblendung gab man alle die Kräfte preis, welche Rom groß gemacht hatten. Man verließ die starken Grundlagen der Macht, die Kriegstüchtigkeit nahm ab, die sittlichen Tugenden wurden verachtet, das Familienleben, die stärkste Säule des römischen Volkstums, wurde zersetzt und auch das Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit schwand.
Viele Jahrzehnte hindurch merkte man die innere Fäulnis nicht. Man glaubte, immer höher und höher zu steigen, denn die römische Hauptstadt wuchs, das römische Reich wuchs, der Handel nahm zu, immer größere Reichtümer strömten nach Rom. Nach dem Sieg bei Pydna 168 v.d.Ztw. brauchten keine Steuern mehr bezahlt werden. Dann aber erfolgte ein entsetzliches Erwachen; die sozialen und wirtschaftlichen Gegensätze führten zu endlosen Bürgerkriegen, zu einem hundertjährigen Rauben und Morden.
07.07.10

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