Nachdem in den "Plagiatsaffären" um Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin die ersten öffentlichkeitswirksam überführten Hochstapler aus den Reihen der Parteien CSU und der FDP stammten, ließ sich die CDU nicht lange bitten und demonstrierte mit dem baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Matthias Pröfrock ihrerseits, dass das betrügerische Ergaunern falscher Doktortitel kein Einzelfall, sondern parteiübergreifende Praxis unter bundesdeutschen Demokraten zu sein scheint.
Nachdem es Pröfrock von sich aus schon im Mai vorzog, auf die Weiterführung seines Titels zu verzichten, wurde ihm sein Doktorgrad in der vergangenen Woche nun auch offiziell von der Universität Tübingen aberkannt.
Die Frage, ob man anstatt von einer "grob fahrlässigen" Arbeitsweise - wie sie vom Promotionsausschuss betitelt wurde - nicht lieber von vorsätzlichem Betrug sprechen sollte, kann sich, angesichts der auf über 53 Prozent aller Seiten nachgewiesenen Plagiatsfunde in Pröfrocks Dissertation, jeder selbst beantworten.
Uns liegt an dieser Stelle mehr daran, lieber noch einmal Pröfrocks Äußerung bezüglich des Rücktritts von Guttenberg aus dem Archiv zu kramen. Wir erinnern uns:
"Ich bedaure den Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg. [...] Der Rücktritt war folgerichtig und konsequent."
Wer jetzt allerdings vermutet, Pröfrock würde nach der offiziellen Aberkennung seines Doktortitels ebenso folgerichtig und konsequent handeln, wie er es im Falle Guttenbergs bewunderte, der irrt gewaltig. Denn auch, wenn im Herrschaftssystem der Demokraten stets die charakterlosesten und unfähigsten Heuchler an die Macht gelangen, kann man sich zumindest in einem Punkt auf sie alle felsenfest verlassen. Und zwar dahingehend, dass dem oftmals großspurig medial in Szene gesetztem Wort mehr als selten die erforderliche Tat folgt.
An ein eventuelles Ablegen seines mit monatlich 6.756 Euro vergüteten Landtagsmandats als einzig richtige Konsequenz aus der Aberkennung seines zu Unrecht getragenen, durch das Vortäuschen akademischer Leistung erschlichenen, Doktortitels, verschwendet er natürlich keinen Gedanken mehr.
So kann der Stellungnahme auf seiner Netzseite neben der fast schon zum Standard gewordenen Erklärung, fremde Textstellen nach bestem Wissen und Gewissen markiert zu haben, der Beteuerung, natürlich nicht mit Täuschungsabsicht gehandelt zu haben und der obligatorischen "niemand ärgert sich darüber mehr als ich selbst" folgende Verheißung entnommen werden:
"Den Wählerinnen und Wählern, die mir bei der Landtagswahl das Direktmandat anvertraut haben, verspreche ich, alles daran zu setzen, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen. Ich werde weiter engagiert und konstruktiv für das Wohl meines Wahlkreises und seiner Bürgerinnen und Bürger arbeiten."
Und so erfüllt auch Pröfrock mit seinen noch recht jungen 34 Jahren schon genau jenes Bild, was Generationen von Demokraten vor ihm prägten: das des würdelosen Blenders, dessen einzige Maxime im Erhalt des persönlichen Wohlstands angesiedelt ist.
Ergänzung: Der Fakultätsrat der Universität Bonn hat heute einstimmig beschlossen, dem FDP-Politiker Jürgen Chatzimarkakis den Doktortitel abzuerkennen.
13.07.11

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