Der Nächste bitte...

Nachdem der ehemalige Verteidigungsminister im Popstar-Format und Galionsfigur bundesdeutscher Stammtische Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg sich Anfang März geschlagen gab und der Politik (vorerst) den Rücken kehrte, gibt es bereits den nächsten Rücktritt in den Reihen demokratischer Hochstapler.

Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin legte gestern offiziell ihre Ämter als Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament, als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und als Präsidiumsmitglied der FDP nieder, nachdem auf VroniPlag Wiki mittlerweile auf fast einem Drittel aller 201 Textseiten ihre Dissertation Plagiate nachgewiesen wurden.

Jedoch ist die Amtsniederlegung Koch-Mehrins alles andere als die persönliche Konsequenz aufgrund ihres vorsätzlichen Betrugs zur Erschleichung eines Titels, welcher ihr nicht zusteht. Wie es sich für eine anständige Demokratin gehört, macht sie vielmehr andere - in diesem Fall die Öffentlichkeit - für diesen Schritt verantwortlich, da sie durch die entbrannten Diskussionen unter anderem ihre Familie belastet sieht.

Auszug aus der Rücktrittserklärung Koch-Mehrins:

"Ich möchte mit diesem Schritt auch verhindern, dass meine gesamte Familie durch die öffentliche Diskussion weiter belastet wird."

Einsicht scheint für Koch-Mehrin fehl am Platz. Wohl auch aus diesem Grund sieht sie scheinbar keine Veranlassung, sich vollständig aus dem politischen Geschehen zu verabschieden, sondern will vorerst ihr Mandat im EU-Parlament behalten. Warum sollte man sich auch das lukrative Monatsgehalt eines EU-Abgeordneten (7.339,00 €) mitsamt monatlicher Kostenpauschale (4.202,00 €) und zusätzlichem Tagegeld (298,00 €) entgehen lassen, wenn es scheinbar genügt, sich lediglich von der innerdeutschen Politbühne und somit dem Fokus medialer Berichterstattung zurückzuziehen, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Die bundesdeutschen Stammtische sind schließlich vergesslich.

Derweil geht das Demokraten-Domino in die nächste Runde. In weiser Voraussicht bezüglich der Dinge, die ihn erwarten, hat der seit Anfang April ebenfalls unter Plagiatsverdacht stehende CDU-Politiker Matthias Pröfrock gestern offiziell von der Weiterführung seines Doktortitels abgesehen.

In einer kurzen Stellungnahme auf seiner Internetseite räumte Pröfrock kurz nach dem Bekanntwerden der ersten Plagiate "vereinzelt nicht korrekt zitierten Textpassagen" ein. Scheinbar war Pröfrock damals selbst noch nicht so richtig im Bilde bezüglich des Inhalts seiner eigenen Arbeit. Ein Blick auf VroniPlag Wiki sei ihm deshalb wärmstens ans Herz gelegt, kann er sich doch dort persönlich überzeugen, dass die "vereinzelten" Textpassagen mittlerweile auf 50 Prozent seiner 222 Textseiten umfassenden Dissertation zum Thema "Energieversorgungssicherheit im Recht der Europäischen Union / Europäischen Gemeinschaften" nachweisbar sind.

Und vielleicht sollten wir auch noch einmal daran erinnern, wie sich Pröfrock auf seinem Facebook-Profil zum damaligen Rücktritt Guttenbergs äußerte:

"Ich bedaure den Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg. [...] Der Rücktritt war folgerichtig und konsequent."

Na also Pröfrock, da wurde ja doch mal was richtig erkannt. Und tschüss...

12.05.11

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Kommentare

nicht wichtig
12.05.11 um 20:27
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Kommentar 1

Na bin ja mal gespannt wer der/die nächste ist.



Rico
12.05.11 um 21:33
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Kommentar 2

Immer das Gleiche, die ziehen sich zurück und wir behalten die gleiche Scheiße.



halwaz
13.05.11 um 00:41
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Kommentar 3

Stoibers Tochter nicht zu vergessen!



Uwe
13.05.11 um 10:18
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Kommentar 4

Sowohl im Parlament, als auch im runtergekommenen Hochschulwesen gibt es mit Betrug und Unehrlichkeit immer viel zu holen.

"Erst vor zwei Wochen wurde auch einer Fachhochschulprofessorin der Doktortitel wegen einer plagiierten Dissertation aberkannt. Das ist erfreulich, aber womöglich sind das immer noch bloß ein paar Tropfen auf dem heißen Stein..."

http://plagiatsgutachten.de/blog.php/



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