Das "gegenderte" Kinderbuch

Das deutsche Volk war das Erste, das im Frieden zu schrumpfen begann: Seit 1972 sterben in Deutschland mehr Menschen, als geboren werden. Doch die Sorgen echter Demokraten gelten nicht dem drohenden Volkstod, sondern dem neuen Pixi-Kinderbuch - einem Projekt der Hamburger Bürgerschaft und dem Carlsen-Verlag, dass den Kindern Hamburgs Politik und Demokratie näher bringen soll.

In diesem wurde auf Seite 5 ein Mädchen mit rosa T-Shirt abgedruckt, weshalb die GAL-Abgeordnete Möller, ebenso wie zuvor ihre Kollegin Güclü im Präsidium forderte, dass das Kinderbuch grundsätzlich "durchgegendert" werden muss. Zudem vermisst der SPD-Fraktionschef Neumann auch eine Aische oder einen Ahmet in dem Buch.

Darum wurde ein Ausschuss gebildet, der zu dem Ergebnis kam, dass die zweite Auflage überarbeitet werden soll:

Ein Junge namens Bruno fliegt raus, wird ersetzt durch eine Aydan. Ein Junge im Rollstuhl wird auf einer Abbildung in die Schülergruppe integriert. Das Mädchen von Seite 5 bekommt ein blaues statt ein rosa T-Shirt. In das Parlament zieht ein Afro-Amerikaner ein, und das Rednerpult heißt künftig "Redepult", damit die Frauen nicht benachteiligt werden.

Wer sich jetzt fragt, was dieses Theater soll, der muss auf das Jahr 1958 zurückblicken, als der Gedanke der Gleichberechtigung durch den der "Gleichheit" von Mann und Frau ersetzt wurde. Abgesehen von biologischen Unterschieden seien demnach die Geschlechter absolut gleich und die verschiedenen Rollen und Vorlieben nur anerzogen.

Theoretische Wegbereiterin dieser "Gender"-Ideologie war die französische Schriftstellerin Simone de Beauvoir, in deren Buch "Das andere Geschlecht" dazu aufgerufen wird "der Sklaverei der Mutterschaft zu entfliehen":

"[Die Frau] fürchtet mit einem Schwächling und Ungeheuer niederzukommen, weil sie die scheußliche Zufälligkeit des Körpers kennt, und diesen Embryo, der in ihr haust, ist ja nichts wie Fleisch."

Die Menschenverachtung, die in der "Gender-Bibel" zum Ausdruck kommt, hat mittlerweile Einzug in die Politik genommen und schafft durch gesetzliche Vorgaben gesellschaftliche Realität - so auch in der Hamburger Bürgerschaft. Doch das "Lebensmodell", das Beauvoir entwarf und heute aus uns den neuen "Gender-Menschen" formen soll, ist nichts weiter als eine auf sich selbst zugeschnittene Theorie, mit der sie ihre eigene Misere zur bewussten Entscheidung stilisierte.

Mit ihren Geliebten Jean-Paul Sartre führte sie ein Leben in Hotels, getrennten Wohnungen und ohne Kinder. Um Sartre nicht mit andern Frauen zu stören, musste sie ein eigenes Klingelsignal bedienen. Ihren Ersten sexuellen Höhepunkt erlebte sie im zarten Alter von neununddreißig Jahren und Briefe an einen Geliebten unterschrieb sie ganz unemanzipiert mit "Ihnen Ihre gehörende Frau".

Beauvoir hatte im Grunde all das abgelehnt, was sie selbst nicht besaß, dennoch wurde diese Ideologie durch eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt. Mit Gleichberechtigung hat das, was in der Hamburger Bürgerschaft so lächerlich anmutet, nichts zu tun. Vielmehr ist der eigentliche und tiefere Sinn der "politischen Geschlechtsumwandlung" in einer Geburtenkontrolle und -verminderung zu suchen. Denn geschlechtslose "Gender-Menschen" können sicher dieses oder jenes praktizieren, ganz sicher jedoch nichts, woraus noch im nennenswerten Maße natürlicher Nachwuchs hervorgehen könnte.

15.07.09

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