
Die "deutsche Treue" ist schon fast sprichwörtlich geworden. Aber was ist Treue? Das Wort meint im Germanischen zunächst Vertrag, dann weiter das Halten des Vertrages, Zuverlässigkeit, Vertrauenswürdigkeit.
Tacitus berichtet über die Germanen, dass derjenige, der beim Würfelspiel als letzten Einsatz seine Freiheit eingesetzt und dann verspielt hat, sich willig in Knechtschaft begebe: "Sie selbst nennen es Treue". Das beinhaltet eben, dass die Verpflichtung im Spiel genauso bindet wie ein Vertrag, den man halten muss. Und ein Vertrag war natürlich auch mündlich geschlossen gültig.
Wir finden in der Geschichte die meisten Beispiele für Treue als Gefolgschaftstreue. Die ganze deutsche Heldendichtung ist voll von Lobgesängen auf Männer, die ihr Leben der Treue aufopferten; manch einer ging mit offenen Augen ins Verderben, nur um sein Wort nicht brechen zu müssen.
Treue war ursprünglich als ein Vertragsverhältnis zwischen zwei Männern gedacht. Treue gab es nur von Person zu Person. Treu dem Vertrag, vertragstreu, treu dem Gefolgsherrn, das waren die ursprünglichen Umgrenzungen der Treue.
Später erweiterte sich aber der Begriff der Treue. Damit kamen dann Spannungsverhältnisse hinein, weil die eine Treue der anderen Treue widersprechen konnte. Wir kennen den Begriff der "Werktreue", also ein Werk den inneren Gesetzen dieses Werkes zufolge zu errichten. Wer einer Aufgabe treu dieser durchführen will, muss zuweilen Treue zu Menschen, die ihn an dieser Aufgabe hindern oder sein Bestreben hemmen, brechen. Dasselbe kann sich für diejenigen ergeben, die einer Idee treu bleiben wollen.
Im "Mittelhochdeutschen" schwang noch etwas anderes bei der Treue mit. "Getriuwe" bedeutet Treue im Sinne von Verschwiegenheit. Das will sagen, dass der treue Mensch die seelischen Werte des anderen zu achten weiß und seine Geheimnisse nicht preisgibt. Treue hat hier also den Inhalt von "Vertrauen" zueinander und das sich gegenseitig "Trauen". Man "vertraut" sich dem anderen an, wenn man ihn liebt. Man achtet auf seine Vertraulichkeit, sein inneres Wesen, seine besondere Lage: Man nimmt in jeder Weise Rücksicht auf ihn, man macht dessen Sache zu seiner eigenen. Man lässt sich auf den anderen ein und geht auf ihn ein. "Wo kein Vertrauen ist, da ist keine Treue." (Altes Sprichwort)
Vertrauen gehört zu jeder Gemeinschaft. Jeder Einzelne muss jedem Glied der Gemeinschaft unbedingt das Vertrauen entgegenbringen. Er muss voll Achtung vor ihm stehen, ganz gleich, welchen Rang er bekleidet. Diese Art von Vertrauen ist Voraussetzung der Gemeinschaft. Wer in einer Gemeinschaft dem anderen misstraut, solange er sich nicht bewährt hat, ist ein Feind jeder Gemeinschaft. Argwohn ist gegenüber Fremden angebracht, innerhalb der Gemeinschaft aber abwegig. "Jedermann vertrauen ist Torheit, niemandem vertrauen ist Narrheit." (Volksmund)
Man mag vielleicht die eine oder andere Enttäuschung dabei erleben; andere Gefährten aber wird man auf der anderen Seite durch Vertrauen seelisch halten oder aufrichten. Wir sollten uns bemühen, bei den Gefährten immer den guten Kern zu sehen, auch falls einmal ein nicht so schöner Zug zum Ausdruck gekommen ist. Vertrauen ist die größte Kraftquelle jeder Gemeinschaft. Dieses Vertrauen Tag für Tag zu schenken, ist uns Verpflichtung.
Alle natürlichen Gemeinschaften entsprechen den Gemeinschaften des Lebens und sind deshalb lebensnotwendig. Die Treue gegenüber einer solchen Gemeinschaft ist deshalb unbegrenzt. Sie besteht weiter, selbst wenn der Rahmen der Gemeinschaft angegriffen worden sein sollte.
20.12.10

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HKL
28.12.10 um 11:01
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Sturmmann Alber’s Husarenstreich
Gegen 08,00 Uhr griff feindliche Infanterie, unterstützt von 5 Panzern, entlang der Straße Le Bény-Bocage – Cathéolles – Montchauvet an. Die beiderseits der Strasse bei der Mühle Auteloy eingesetzte Einheit des Majors von Schenk wurde in kurzer Zeit zurückgedrängt.
Beim Gegenstoß mit drei Panzern IV von Obersturmführer Grimm’s 6.Panzer-Kompanie und des Kompanietrupps der 9./SS-Pz-Gren.Regs.“H“ (Hohenstaufen) unterstellte sich der Melder, Sturmmann Alber kurzerhand neun versprengte Soldaten der 326.Infanterie-Division und griff mit diesen wenigen Männern energisch die wichtige wie beherrschende Höhe 221 südlich Arclais an. Die kleine Gruppe warf die dort in Feldstellungen festgesetzte Infanterie und setzte den geworfenen Gegner ohne zu zögern nach.
Die Männer, angespornt von den zwingenden Befehlen des Sturmmannes Alber, erreichten den Ortrand von la Vausilliére. Sie mussten feststellen, dass der Ort von mindest einer feindlichen Kompanie und sechs Panzern besetzt ist, gegen welche sie natürlich machtlos waren. Ehe sie sich, einmal entdeckt, nach einem kurzen, heftig geführten Verfolgungskampf wieder auf die Höhe 221 zurückzogen, vernichtete Alber mit Handgranaten noch einen „Crommwell“-Panzer.
Hermann Alber war der Held des Tages. Leider überlebte er diesen Tag nicht mehr, denn er ist im Rahmen seiner 9.Kompanie beim Angriff auf die Höhe 176 nordostwärts von Le Désert um 19,30 Uhr gefallen.
Hermann Alber ist ein Beispiel dafür, wenn man sagt, dass Soldaten- und Kämpfergeist nur aus der Bereitschaft zum Opfer bestehen kann, niemals aber aus der Überlegung und Betrachtung. Fragt man sich heute, worin sich dieser Geist äußerte, oder woran man ihn erkannte, so seien hier nur drei Tugenden aufgezeigt, die Sturmmann Alber zumindest an diesem seinen letzten Tag besaß, nämlich die Härte, die seine Pflicht als Soldat sich erfüllen hieß, unter allen Umständen und in allen Lagen, dann die Bescheidenheit, die nie nach Verdienst fragt, sondern immer nach den Erfordernissen der Lage und letztendlich die Sauberkeit des Herzens, die er als einer von denen mit jungen Jahren ihn das grausame Schicksal des Krieges hineinwarf, bewahrt hatte. Es sind dieses die drei Begriffe des Soldaten der damaligen Zeit, die am Anfang aller Dinge standen, und die Alber bei seiner Tat so und nicht anders handeln ließen.
Vielleicht wusste er, dass sie für ihn niemals an Bedeutung verlieren würden und dass umgekehrt dort wo man sie vergisst oder gar verleugnet, das Vaterland in Gefahr gerät.
Nach seinem Tode wurde diesem Tapferen das Eiserne Kreuz I. und II.Klasse, das Panzervernichtungsabzeichen und das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes pothum am 26.Dezember 1944 verliehen.
Aus Herbert Fürbringer „ 9.SS Panzer-Division“ ISBN 2-902 171-17-X