Das Erlebte haben wir nie vergessen

Das Erlebte haben wir nie vergessen

Ich wohnte damals bei meinen Eltern auf der Talstraße Nummer 8 in der äußeren Dresdner Neustadt. Es schien, als hätten die Leute schon den ganzen Tag über eine Ahnung, dass etwas passieren könnte. Aber an so etwas hatte niemand gedacht. Es wurde gegen zehn Uhr am Abend und der Rundfunk gab regelmäßig die aktuellen Luftmeldungen durch. Plötzlich hieß es: "Mehrere Bomberverbände nähern sich der Stadt." Diese Meldung traf uns wie ein furchtbarer Schlag.

Wir schnappten unsere Koffer, die wir schon dastehen hatten und einige Taschen, die wir noch mit in den Keller nehmen konnten. Dort hockten wir dann ängstlich beieinander und es dauerte nicht lange bis Feueralarm gegeben wurde. Es krachte ununterbrochen und der Lärm kam immer näher. Die Angst wurde immer schlimmer, und als es etwas ruhiger wurde, konnte man erst einmal rausschauen, was geschehen war. Bis es jedoch soweit war, dauerte es ziemlich lange - es wurde zur Ewigkeit.

Draußen haben wir dann gesehen, dass in unserer kleinen Straße ein Haus, in welchem sich eine Bäckerei befand, getroffen war. Das Haus war nicht zertrümmert, aber es brannte langsam und niemand konnte mehr etwas herausholen. Schnell wurde eine Eimerkette gebildet und versucht noch etwas zu retten. Meine Schulfreundin Lotti, die in unmittelbarer Nähe wohnte, und ich halfen ebenfalls mit. Aber es erwies sich bald als sinnlos mit Eimern überhaupt etwas zu machen. In den nächsten Tagen haben wir das Haus dann abbrennen sehen. Jeder versuchte an seinem Haus etwas zu retten, aber es war unmöglich. Alles musste sich erst einmal durchkämpfen.

In der selben Nacht war auch der Zirkus Sarrasani, damals ein großes massives Gebäude auf der König-Albert-Straße, zerstört worden. Noch am Tage hatte es eine Vorstellung gegeben. Bei Alarm sind die Künstler und Mitarbeiter in den Keller des Gebäudes und nachdem es vorbei zu sein schien an die Elbwiesen geflüchtet. Auch die 43. Volkshochschule wurde zerstört.

Dann kam der zweite Angriff und die Angst wurde noch größer. Jeder dachte, "jetzt haben sie schon so viel weggebombt, da werden sie unsere paar Häuser, die noch stehen, auch bald sehen". Wir fürchteten, dass am Ende nicht mehr viel übrig bleibt.

Am nächsten Tag kam der Mittagsangriff. Von der Elbe her flogen die Bomber heran. Bei diesem Angriff wurden mehrere Häuser in unserer Straße getroffen. Ich erinnere mich, dass die Nummer 11 und 12 durch Sprengbomben vollkommen zerstört waren, sowohl das Vorder- als auch das Hinterhaus. Die Straße war vollkommen verschüttet, keiner konnte mehr durchlaufen.

Meine Schwester, die damals im Teilwerk arbeitete, hatte man nach Hause geschickt. Als sie ankam, kam sie erst einmal gar nicht auf die Straße, denn an ein Durchkommen war nicht zu denken. Mit der Angst, nicht zu wissen, welche Häuser getroffen waren, musste sie über die Kamenzer Straße wieder zurücklaufen. Wir haben uns dann später wieder gefunden. Das Erlebte haben wir nie vergessen.

Zeitzeugenbericht von Annelies Stutzriemer, entnommen aus der vom Aktionsbündnis gegen das Vergessen herausgegebenen Broschüre "Dresden - Der Menschlichkeit entgegen".

30.01.12

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Kommentare

Ricky
31.01.12 um 01:14
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Kommentar 1

"Ich möchte keine Vorschläge haben, wie wir kriegswichtige Ziele im Umland von Dresden zerstören können, ich möchte Vorschläge haben, wie wir 600.000 Flüchtlinge aus Breslau in Dresden braten(!) können."

Es ist sehr traurig solche Artikel immer lesen zu müssen.
Wir könnten uns bestimmt nicht einmal ausmalen was in diesen Nächten in Dresden oder in andern Deutschen Städten in den Menschen vorgegangen sein muss :(



Hagen
01.02.12 um 12:41
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Kommentar 2

Es war nicht nur eine Hölle für die, die qualvoll hingerichtet wurden.
Es war die Hölle für das gesamte Volk denn jeder musste mit ansehen, wie Freunde, Familie und bekannte flehend zu Grunde gingen.



Peter
03.02.12 um 14:12
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Kommentar 3

Hallo,

ich bin weder rechts noch links aber ich interessiere mich für Geschichte.
Was ihr hier so über die stadt Dresden schreibt, scheint wirklich die Hölle gewesen sein. Warum uns in der Schule zb. erzählt wurde, dass es "nur" 25000 Menschen waren, die in Dresden umgekommen sind, versteh ich auch nicht, wenn ich mir hier eure Sicht angucke.

Aber wäre es falsch zu sagen, dass Dresden zb nur ein gegenschlag war, für die Bombenangriffe auf Lonfon zb? Denn die Bilder die, es davon gibt, sind auch nicht gerade schön. Also wieso sollten man sagen können, die Angriffe auf andere Städte waren gerechtfertigt, aber die Angriffe auf Dresden zb. nicht

Ich würde mich über eine Antwort freuen.



Sebastian
07.02.12 um 17:48
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Kommentar 4

@Peter(3):

Das ist ganz einfach. Die deutschen Angriffe hatten alle militärischen Sinn, z.B. auf die Motorenwerke in Coverntry.

Die Deutschen hatten niemals die Absicht, Flächernbombardements auf unschuldige Zivilisten durchzuführen nur mit dem Ziel soviele Frauen und Kinder wie möglich zu töten. Konnten sie auch gar nicht mit ihren Bombern, die nur auf Präzessionsangriffe ausgelegt waren.

Wir hatten keine 4 motorigen Langstreckenbomber die man dafür benötigt.

Die Engländer und Amerikaner dagegen haben Bomben auf Zivilisten geworfen. Die Engländer hatten schon vor! dem Krieg Pläne, die deutsche Zivilbevölkerung mit Terrorangriffen zu vernichten.

DAS ist ein himmelweiter unterschied.

Wir haben millitärische Ziele angegriffen (bei denen natürlich auch Zivilisten getötet wurden, es war aber nicht das Ziel), die Allierten Zivilisten.

Das Deutschland irgendwann sich auch nicht mehr daran gehalten hat Zivilisten zu schonen und V(ergeltungs!) Waffen eingesetzt hat, ändert trotzdem nicht das Geringste daran.

Jetzt klar?



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