Dreister kann man sich wohl kaum anstellen. Weil sich abzeichnete, dass die Universität Heidelberg der ehemaligen FDP-Hoffnungsträgerin Koch-Mehrin den Doktortitel wegen Betrugs aberkennen würde, zog sie sich von allen Parteiämtern zurück, um auf diese Weise aus der medialen Schussbahn zu rücken. Das schien auch so zu funktionieren und ihr EU-Mandat, das ihr immerhin monatlich 7.339 Euro mitsamt monatlicher Kostenpauschale von 4.202 Euro und zusätzlichem Tagegeld von 298 Euro einbringt, vorerst gesichert.
Bis zur vergangenen Woche, als sie vom stellvertretenden Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments zum Vollmitglied befördert wurde. Möglich wurde das durch einen Tausch mit ihrem Parteikollegen Chatzimarkakis, dessen Doktorarbeit derzeit ebenfalls von der Universität Bonn wegen des Verdachts des Plagiats untersucht wird, weshalb er nun stellvertretendes Mitglied in diesem Ausschuss ist.
Die größten deutschen Forschungsorganisationen, darunter die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Hochschulrektorenkonferenz, die Max-Planck-Gesellschaft und der Wissenschaftsrat, machten mobil und die Plagiatsaffäre war wieder in der medialen Öffentlichkeit.
Mit einer Erklärung wandten sie sich gegen die Beförderung Koch-Mehrin zur Forschungspolitikerin:
"Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten sind alles andere als ein Kavaliersdelikt. Deshalb hält die Allianz es für nicht akzeptabel, wenn Frau Koch-Mehrin im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments Deutschland vertritt."
Nachdem der Druck zu groß wurde, kündigte die FDP-Politikerin ihren Rückzug vom Forschungsausschuss an. Sie werde dafür jedoch in einen anderen Ausschuss wechseln. Derweil fordern immer mehr Stimmen, dass sie ihr EU-Mandat endlich niederlegt. Immerhin habe sie ihren Doktortitel auf die Wahlplakate drucken lassen.

"Das schönste Plakat kommt von der FDP und zeigt die bildhübsche Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin. Mit 47 Prozent der Stimmen ging die promovierte Historikerin als klare Siegerin aus der Abstimmung hervor", schrieb die BILD noch im Mai 2009, als sie ihre Leser über das "beste Wahlplakat" abstimmen ließ.
Ob den bildzeitungslesenden Stammtischen wenigstens heute deutlich geworden ist, dass auch Koch-Mehrin mehr Schein als Sein war, ist indes noch nicht so sicher - schließlich gibt es auch morgen wieder ein "bildhübsches Gesicht" auf der unteren Titelseite zu bestaunen...
27.06.11

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Karl
28.06.11 um 09:39
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Dazu kann ich nur immer wieder empfehlen:
VIDEO
Wohlgemerkt, das Thema ihrer Promotion: "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" - bei der Schätzung in dem Video merkt man deutlich, dass sie von ihrem Thema nicht viel Ahnung haben kann...