"Dann loderten die Flammen empor"

Gegenüber dem Kaufhaus Renner wurden Roste aus Eisenträgern errichtet. Sie erhoben sich einen halben Meter über dem Erdboden — Krematorien unter freiem Himmel. Man legte die Toten übereinander. Eine Schicht nach der anderen, so, wie man sie eben angefahren brachte.

Wie wenig Platz doch ein toter Mensch beansprucht! Hunderte wurden zu Haufen getürmt. Ein Scheiterhaufen enthielt 450 bis 500 Menschen. Jede Schicht wurde mit Benzin getränkt. Ein Streichholz entfachte das Feuer, dann loderten die Flammen empor.

Alle jene jetzt unkenntlichen Menschen hatten auch ihr Schicksal gehabt und ihr Leben gelebt. Wahllos lagen sie übereinander. Soldaten in Uniformfetzen, Männer, Frauen und Kinder. Fast behutsam wurden die Kinder hochgehoben und zu den Erwachsenen gelegt. Ihr Anblick erschütterte jeden, ganz gleich welcher Nation.

Heimkehrende Männer werden unter den Trümmern Dresdens ihre Frauen und Kinder suchen. Kinder ihre Eltern, Mütter vergeblich auf die Rückkehr ihrer Söhne warten. Dresden, auch das Massengrab unzähliger Flüchtlinge, wird niemals die Zahl seiner Toten enthüllen können.

Generationen wurden ausgelöscht. Niemand wird mehr nach ihnen fragen. Die Flammen loderten ohne Unterbrechung Tag und Nacht. Und immer fanden sie neue Nahrung. Die Zufuhren an Toten wollten kein Ende nehmen. Die deutschen Einsatztruppen wurden laufend abgelöst. Die Grenzen des Erträglichen, des Zumutbaren waren auch für die Lebenden weit überschritten.

Axel Rodenberger

29.01.10

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Kommentare

O.o
01.02.10 um 14:31
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Kommentar 1

Und wenn sich dann Leute am 13.Februar treffen um den Toten zu Gedenken wird es gestört..

Echt arm dieses Land und dieses System..



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