Altersarmut: Immer mehr Deutsche müssen im hohen Alter arbeiten

Altersarmut: Immer mehr Deutsche müssen im hohen Alter arbeiten

Mehr als eine halbe Million Deutsche arbeiten über das Rentenalter hinaus. Das bestätigte heute eine Sprecherin des Arbeitsministeriums, nachdem die "Saarbrücker Zeitung" einen entsprechenden Bericht veröffentlichte. Demnach sind 660.000 Menschen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren im vergangenen Jahr einer Arbeit nachgegangen, um ihre Rente um 400 bis 800 Euro aufzubessern. Vor zwölf Jahren waren es noch 416.000, was einer Steigerung um 58,6 Prozent entspricht.

Für das Bundesministerium lässt sich der enorme Zuwachs leicht erklären: Die Zahl der Rentner habe schlicht um etwa 3 Millionen zugenommen. Darum gäbe es statistisch natürlich auch mehr Deutsche, die noch im Rentenalter arbeiten. Keinesfalls aber – und da ist sich das Ministerium unter Führung Ursula von der Leyen's sicher – ließe sich aus dieser Entwicklung eine höhere "Bedürftigkeit im Alter" ableiten.

Tatsächlich aber lebten nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Deutschland im Jahre 2000 6,6 Millionen Menschen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren. Bis zum Jahre 2011 ist diese Zahl um 2,1 Millionen auf 8,7 Millionen gestiegen, was einen Zuwachs von 24,14 Prozent entspricht. Die Steigerung der im Rentenalter arbeitenden Deutschen um beinahe 60 Prozent lässt sich so also nicht erklären.

Schon seit Jahren warnt der Widerstand davor, dass die fortwährenden Nullrunden für die Mehrheit der Rentner harte Einschnitte bedeuten. Die immer weiter sinkenden Geburtenzahlen, die massenhafte Arbeitslosigkeit und der unter Rot-Grün mit Stolz geschaffene Niedriglohnsektor (Schröder: „Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt.") sorgen dafür, dass die Lohnsumme von Jahr zu Jahr sinkt. Das wirkt sich spürbar auf die Renten aus.

Vielen bleibt so bereits heute keine andere Möglichkeit, als auch im hohen Alter zu arbeiten, um die in den Jahren massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten zu decken, obwohl sie Jahrzehnte lang in die Kassen eingezahlt haben. Dazu kommen die Belastungen der "Gesundheitsreformen", von denen gerade die Alten betroffen sind: Mit dem "Gesundheitsmodernisierungsgesetz" unter Ulla Schmidt wurde 2004 die Praxisgebühr eingeführt. Bereits in den Jahren davor gab es eine Reihe von "Reformen", bei denen höhere Zuzahlungen, weniger Leistungen und kleinere Budgets bei Arztleistungen und Medikamenten auf die Versicherten zukamen.

Im Jahre 2006 folgten weitere Anhebungen der Beiträge. Auf allen Ebenen sollte kräftig gespart werden und den Kassen wurde erlaubt, Zusatzbeiträge zu erheben. Und auch in diesem Jahr müssen, nachdem der vietnamesische ehemalige Gesundheitsminister Rösler in einer erneuten Reform das Finanzierungssystem umgestellt hatte, rund sechs Milliarden Euro mehr durch den Beitragszahler aufgebracht werden.

Die Altersarmut wird sich im demokratischen Deutschland in den kommenden Jahren dramatisch zuspitzen, denn sie geht mit der demografischen Situation einher. Das war lange vorhersehbar. Da aber die demokratischen Parteistrategen, wenn überhaupt, immer nur bis zur nächsten Wahl überlegen und den Wert des Volkes nicht vom Wert einer Zahl unterscheiden können, sind bis heute keine Maßnahmen eingeleitet worden, die diese Entwicklung verhindern könnten.

22.08.11

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Kommentare

Steffen
23.08.11 um 00:33
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Kommentar 1

Das ganze sollte sich in Zukunft noch mehr verschlimmern, falls der "Stabilitätspakt" zur "Rettung des Euro" nicht greift. Die massive Verschuldung und kapitalnahe Verwendung der Rentenfonds und verschiedener Versicherungsfonds, welche eben nicht nur die Rente, dafür allerdings die Pflege- und Lebensversicherungen betreffen, wird die Altersarmut expotenziell ansteigen.



Andy
23.08.11 um 13:24
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Kommentar 2

"...und deshalb brauchen wir mehr Zuwanderung, um auch künftigen Generationen an unserem Wohlstand teilhaben zu lassen..."

So lese ich es immer wieder und kann nicht glauben, dass so viele Deutsche diesen Wahnsinn bei jeder Wahl quittieren. Statt dem höchsten Gut eines jeden Volkes - und das sind seine Nachkommen - mit allen verfügbaren Mitteln zu stärken, wird ein Weckruf zum Erhalt des eigenen Volkes kriminalisiert und geächtet.

Wir erwarten in Kürze unser 2. Kind. Wissend, dass es unser ohnehin schon geringes Familienbudget noch weiter geschmälert wird. Einige Bekannte und auch Kollegen fragten oft schon "...warum denn noch ein Kind, das kostet doch viel zu viel Geld...". "Tja meine lieben Freunde - und wer soll deine Rente später zahlen?"



willi
24.08.11 um 10:16
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Kommentar 3

Und wiedermal stellt sich die Frage nach Euren praktischen Lösungsvorschlägen?

Fakt ist, dass die Lebenserwartung der Menschen auf viele Jahrzehnte angestiegen ist. Viele bleiben bis ins hohe Alter mobil und gesund, was natürlich schön ist. Die grundsätzliche Idee der Altersversorgung war aber, Menschen, die aufgrund ihres Alters oder Krankheiten nicht mehr erwerbsfähig sind, eine Fürsorge durch die Gemeinschaft angedeihen zu lassen. Eine festgesetzte Altersgrenze ist angesichts der zu differenzierenden Erwerbsunfähigkeit je nach Berufsfeld aber bedeutungslos.

Meine Lösungsvorschläge wären zum Beispiel eine ausgedehnte Altersteilzeit bei gleichzeitiger teilweiser Rentenzahlung, solange die Menschen noch erwerbsfähig sind, und das möglicherweise auch über das Alter von 67 hinaus. Auf jeden Fall aber muss die Höhe der Rentenzahlungen an die Anzahl der eigenen Nachkommen gekoppelt werden, um die Leistung für die Gemeinschaft zu würdigen und dem demographischen Kollaps entgegenzuwirken.

Weitere Ideen?



Gottfried Feder
25.08.11 um 06:46
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Kommentar 4

@ willi: Wir haben zu viel Erwerbstätige und Arbeitssuchende. Würden die Ausländer und Frauen da herausgenommen werden, wäre das ein großer Schritt in richtige Richtung. Das Rentenalter sollte dann noch gesenkt werden. Durch den technischen Fortschritt braucht man immer weniger Menschen in der Arbeit.



willi
26.08.11 um 07:20
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Kommentar 5

@Gottfried Feder(4): Haha, ja genau und du übernimmst dann die Arbeit als Kindergärtnerin und Krankenschwester...

Nee, also mal Spaß beseite. Du hast ja Recht, es gibt tatsächlich zuwenig Arbeit für zuviele Menschen. Das könnte man durch einen 6-Stunden-Tag zumindest in den Berufsfeldern, in denen sowieso in Schichten gearbeitet wird, durch 4 Schichten am Tag beheben. So entstehen mehr Arbeitsplätze und die Menschen würden sich mit ihrer Arbeit nicht zu Tode schuften und könnten so möglicherweise auch länger erwerbstätig bleiben.
Wenn das Rentenalter noch weiter gesenkt wird, kommen bei der steigenden Lebenserwartung auf 25-30 Beitragsjahre bald genausoviele und mehr Rentenjahre. Wie soll das funktionieren?



Skøll
22.01.12 um 15:11
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Kommentar 6

@Andy(2): Na, was meinst Du (ich duze jetzt mal ganz frech) wohl, unsere Rente zahlen die vielen gut ausgebildeten Fachkräfte aus aller Herren Länder, welche ihre geliebte Heimat selbstlos verlassen, um uns dummen und faulen Deutschen ein besseres Leben zu ermöglichen...

Vae victis....



Skøll
22.01.12 um 15:29
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Kommentar 7

Ja, Willi, ich hätte da noch Vorschläge:
1. Wir schmeißen alle "Migranten", die nix leisten,nur fordern und kosten, raus, lassen sie quasi "weiterwandern". Wir machen die Knäste ausländerfrei, da könnten wir 90% von denen zumachen.
2. Die Rentenkasse darf nicht für andere Zwecke geplündert werden.
3. Wer nix eingezahlt hat (Aussiedler, Arbeitsfaule, Politiker, obwohl, die gehören ja zu den Vorgenannten,etc.) bekomen eine Grundrente zum Überleben, mehr nicht.
4. Gutlaufende Großkonzerne müssen wieder Steuern zahlen, nicht nur der Mittelstand.
5. Keine Gelder mehr für die EUdssR!

Da könnte der deutsche Arbeiter, wie der Grieche, mit 50 in Rente gehn, und es wär trotzdem noch genug für Bedürftige (Deutsche) da!



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