Alles beim Alten

Alles beim Alten

Das muss man erstmal nachmachen: Täglich 2,3 Millionen Euro neue Schulden anhäufen und trotzdem so tun, als ob man im Besitz der alleinseligmachenden Weisheit wäre und keine Probleme im Land Brandenburg hätte. Zumindest erweckt diesen Eindruck der Innenausschuss des Landtages, der sich nach über drei Monaten noch immer mit dem Heldengedenken des Widerstands beschäftigt, statt endlich mal zu erklären, wie man sich die Lösungen der Probleme vorstellt, die die Menschen im Land tatsächlich betreffen.

Aber immerhin gibt es neue "Erkenntnisse"! Wie die Märkische Allgemeine berichtet, hätte der Verfassungsschutz "Neonazis im Visier" gehabt, die sich "am Totensonntag in Cottbus trafen" und die örtliche Polizei informiert, um diese zu verfolgen. Dabei scheint entweder dem Qualitätsjournalisten Engels noch immer nicht bewusst geworden zu sein, dass das Heldengedenken, von dem er schreibt, an einem Freitag stattfand oder aber, die Polizei hat die Verfolgung wessen auch immer zwei Tage zu spät begonnen. Jedenfalls sei die Verfolgung "kläglich gescheitert", da die Verfolgten die Polizei durch eine "konspirative Fahrweise" abgehängt hätten.

Wie dem Schreiben des Innenministeriums an den Innenausschuss zu entnehmen sei, gebe es jedoch auch eine Erfolgsmeldung! Die Ermittler hätten "den Aktivisten deutlich gemacht, dass ihren gesetzeswidrigen und verfassungsfeindlichen Aktivitäten Grenzen gesetzt sind". Was genau die "gesetzwidrigen Aktivitäten" seien, wird zwei Sätze später erklärt: Die Polizei ermittle wegen eines "möglichen Verstoßes gegen das Gräberstätten-Versammlungsgesetz".

Fachkundig wie gewohnt meldet sich auch der stellvertretende Vorsitzende des Innenausschusses Danny Eichelbaum wieder zu Wort. Er sei erschrocken, "dass die Neonazis der Polizei offenbar technisch überlegen waren", da sie "wahrscheinlich eine Handy-Ortung vermeiden" konnten. Dass die Ortung eines Handys einer schweren Straftat und nicht einem "möglichen Verstoß" vorbehalten ist und zudem einer richterlichen Anordnung bedarf, ist dem rechtspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, der sich sein Fachwissen immerhin mit 4.399 Euro vom Steuerzahler vergüten lässt, sicher nur entfallen.

Es bleibt also alles beim Alten. Die einzelnen Behörden schieben die Schuld hin und her: Der Verfassungsschutz macht die Polizei verantwortlich, die wiederum die "technische und fahrerische Überlegenheit" der Verfolgten, Eichelbaum redet weiter dummes Zeug, für die MAZ fiel der Totensonntag 2010 immer noch auf einen Freitag und unsere Hoffnung, dass irgendwann irgendjemandem der Kern in der Sache bewusst wird, nämlich, dass es sich um nichts weiter als ein Gedenken an die Gefallenen der Weltkriege handelte, schwindet weiter.

25.01.11

Weitere Artikel zum Thema

Kommentare

Parzival
26.01.11 um 00:58
antworten

Kommentar 1

Genial geschrieben! Obwohl der Inhalt ziemlich traurig ist und das erbärmliche Verhalten der Herrschenden schildert, musste ich beim letzten Absatz herzlich lachen. Die Realität ist eben besser als jedes Theaterstück



Europium
26.01.11 um 10:48
antworten

Kommentar 2

Nicht aufregen, diese Ideokratie wird sich selbst richten. Das einzige was wir tun müssen, ist bei klarem Verstand bleiben, und da sind die Spreelichter ja ganz vorne mit dabei. Schöner Text und weiter so!



Rurik
26.01.11 um 13:32
antworten

Kommentar 3

"Die Ermittler hätten 'den Aktivisten deutlich gemacht, dass ihren gesetzeswidrigen und verfassungsfeindlichen Aktivitäten Grenzen gesetzt sind'."

Welche Gesetze? Welche Verfassung? Welche Grenzen?
Was für tolle Ermittler! - Dabei sollte man "toll" im ursprünglichen Wortsinn verstehen!



Bobby
26.01.11 um 14:51
antworten

Kommentar 4

Die Ironie eines Systems!
Früher wurden die Leute nach ihrem Können und Handeln in Führungsebenen gehoben. Heute muß man nur dumm schwätzen können und dabei gut aussehen!



Max
26.01.11 um 21:53
antworten

Kommentar 5

Klasse Realsatire die die Schreiberlinge der MA da so zu Papier bringen. Kommen die jetzt auch mit Bühnenprogramm auf Tour?



Parzival
02.02.11 um 19:35
antworten

Kommentar 6

@Bobby(4): Nein heute muss man nur noch Frau sein um sich einen Platz in der Führungsetage des Landes und verschiedener Konzerne per Gesetz zu sichern!



Kommentar schreiben

Name


Kommentar
kommentar


 


...lade
 

Kontakt

Du suchst Kontakt zu aktiven Widerstandsgruppen in Südbrandenburg, hast Fragen oder Hinweise? Dann melde Dich über das Kontaktformular!

Nutze das Tor-Netzwerk, um dem Apparat die Verfolgung zu erschweren!


Feed Flickr